Art Karlsruhe
Etabliert, aber begrenzt experimentierfreudig

Die Art Karlsruhe bietet in ihrer 7. Ausgabe aufregende Kunst neben dekorativer. Trotz eines deutlich sichtbaren Qualitätsgefälles hat sie sich im Südwesten einen Namen gemacht.
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KarlsruheEine Kunstmesse, die mit über 200 Teilnehmern zu den größten der Welt gehört, auf der regionale Galerien Werke regionaler Künstler an regionale Kunden verkaufen. Gemeint ist nicht ist nicht die Artefiera in Bologna, sondern die Art Karlsruhe. Die mit ihrer siebten Ausgabe immer noch zu den Newcomern zählende Veranstaltung ist in diesem Jahr erneut leicht angewachsen, auf jetzt 212 Teilnehmer (Vorjahr 208). Die Zeiten, in denen junge Avantgarde-Galerien aus dem Rhein-Main-Gebiet hier im Südwesten ihr Glück versuchten, sind allerdings auch schon wieder vorbei. Das vielbeschworene Konzept der Bodenständigkeit ist Segen und Fluch der Messe zugleich. Bunte Sparkassenkunst sorgt für regen Besucherzustrom aus der Region und bildet für die Veranstalter das Brot-und-Butter-Geschäft.

Gleichwohl hat die Art Karlsruhe ihre Berechtigung. „Die Messe ist regional nicht mehr wegzudenken“, erklärt Klaus Gerrit Friese, Galerist in Stuttgart und Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Galerien und Editionen e.V. (BVDG). Mittlerweile ist sie immerhin so etabliert, dass die international versierten Sammler aus Südwestdeutschland und dem benachbarten Ausland ihr zumindest einen Besuch abstatten. „Ich finde es erstaunlich, was die Messe für einen Ruf aufgebaut hat“, stellt Michael Sturm aus Stuttgart fest. Davon profitieren dann auch die jüngeren Galerien wie der „Berliner Block“, der mit Unterstützung des Senats regelmäßig anreist.

Wagner + Partner haben nach zweimaliger geförderter Teilnahme jetzt einen regulären Stand gemietet und zur Vernissage unter anderem mehrere Gemälde des Anselm Kiefer-Lehrers Peter Dreher verkauft. Ernst Hilger aus Wien nimmt zum ersten Mal teil, um seine Sammler aus der Region zu bedienen, die er seit seinem Abgang aus Basel sonst nicht mehr erreichen würde. Allerdings hat er das Programm angepasst und zeigt traditionelle Techniken, also Malerei und Skulptur statt Installationen und Videos. Denn das einheimische Publikum ist zwar potent, aber nur begrenzt experimentierfreudig. Das weiß man auch bei der Galerie Michael Werner, die bei ihrer zweiten Teilnahme die Besucher mit einem großformatigen Gemälde von Markus Lüpertz für 320 000 Euro an der Außenwand des Standes begrüßt.

Der Kölner Galeriedirektor Rolf Unkel schätzt den Standort zwar sehr, da sich Werke dieser Kategorie hier ihre Kunden finden. Doch er warnt: „Die Messe muss aufpassen, dass sie sich nicht verstrickt.“ Er hebt damit auf das offensichtliche Qualitätsgefälle ab, das zwischen regionalen Ausstellern und den etablierten Händlern von Klassischer Moderne und Nachkriegskunst, die sich in Halle 3 (von 4) konzentrieren, auftut. Thole Rotermund aus Hamburg gesteht, dass er auf dem Weg zu seinem Stand jedes Mal fassungslos sei angesichts des Gebotenen.

Er selbst konzentriert sich wieder einmal auf Papierarbeiten der Klassischen Moderne. Mit Einsteigerangeboten wie einem Akt von George Grosz für 3 400 Euro erzielt er hier Erfolge bei Besuchern, die eigentlich nicht zu seiner klassischen Klientel gehören: „Durch den starken Kontrast zum sonstigen Angebot kommen Leute an den Stand, die sonst keine klassischen Papiersammler sind“. Wenn die Messe auf diese Weise einen pädagogischen Effekt, ist das sicher nicht das Schlechteste. Vielleicht entdeckt der eine oder andere Besucher dann die Juwelen, die sich mitunter im Angebot verstecken. Zum Beispiel die entzückenden kleinen Collagen, die Georg Karl Pfahler in den frühen 1960er Jahren als Vorlagen für seine bekannten Hard Edge-Druckgraphiken anfertigte. Der Wiesbadener Kunsthandel Draheim bietet sie für sagenhafte 1.800 Euro an. Auf jeder anderen Messe wären sie wahrscheinlich noch vor der Eröffnung verkauft gewesen.

 

Art Karlsruhe, 10. bis 13. März 2011

www.artkarlsruhe.de

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