Art Value
Betrachtungen über den Wert der Fotografie

Wie erklärt sich der Markterfolg der sogenannten „Becher-Schule“? Wie verbindlich sind Auflagenbegrenzungen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die jüngste Ausgabe des Magazins Art Value. Themenschwerpunkt ist die Fotografie.
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DüsseldorfIst eine Limitierungsangabe nun ein unverbindliches "Gentlemen’s Agreement" oder handelt es sich um eine rechtlich bindende Erklärung? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Jurist Felix Michl in der jüngsten Ausgabe des Magazins Art Value. Positionen zum Wert der Kunst, die um das Sammelgebiet Fotografie kreist. Die Limitierung der Auflage eines fotokünstlerischen Werks ist das wohl entscheidende Instrument, mit dem sich die Fotografie in den letzten drei Dekaden auf dem Kunstmarkt durchsetzen konnte. Umso erstaunlicher ist, wie leichtfertig der Handel und aber auch die Künstler selber mit diesem Mittel der teuer bezahlten Angebotsverknappung umgehen; das zeigt aktuell der noch nicht entschiedene, vor einem New Yorker Gericht ausgefochtene Rechtsstreit zwischen dem Sammler Jonathan Sobel und dem Fotografen William Eggleston.

Blick über den Tellerrand

„Fotografie jenseits von Schnappschuss und Schnäppchen“ hat der Welther Verlag sein jüngstes Heft betitelt. Seit 2007 bringt er Art Value zwei Mal jährlich zu einem ausgewählten Thema rund um den Wert der Kunst heraus. Dabei beschränkt sich das Magazin nicht auf das das Marktgeschehen und seine Einordnung. Es versucht vielmehr vom Konzept her, über den Tellerrand hinauszublicken, indem es auch einem ausgewählten künstlerischen Oeuvre (in Heft 10 Taiyo Onorato & Nico Krebs) sowie theoretischen Betrachtungen zu ästhetischen Prinzipien und Entwicklungen Raum bietet. „At Value spricht damit einen größeren Kreis Kunstinteressierter an und Heft 10 im Besonderen mehr Leser als nur den eher kleinen Kreis gut informierter Fotosammler.

Alte Malerei-Konzepte

Fragen zur Konservierung, behandelt von der Foto-Restauratorin Marjen Schmidt, oder zur Wertermittlung stehen immer wieder auf dem Programm einschlägiger Fachtagungen der jüngeren Vergangenheit. Daneben erörtert Heft 10 Fragen zur Terminologie und Praxis im Umgang mit dem sogenannten „Vintage-Print“, dem zeitnah zur Aufnahme entstandenen Abzug (Anne Ganteführer-Trier), aber auch Ideen und Phänomene, die eine größere Öffentlichkeit nach wie vor bewegt.

Wie erklärt sich zum Beispiel der Markterfolg der sogenannten „Becher-Schüler“? Was begünstigte ihren Erfolg? Maren Polte beschreibt in ihrem Beitrag die Voraussetzungen, unter denen die jungen Fotokünstler in der Nachfolge von Bernd und Hilla Becher den Schulterschluss mit alten Konzepten der Malerei wagen und gewinnen konnten. Rekordpreise spielen in dieser, auf eine jüngst veröffentlichte Buchpublikation zurückgreifenden Betrachtung nur die Rolle des Stichwortgebers.

Berufsgeheimnis des Versteigerers

An natürliche Grenzen stößt Simone Klein mit ihrem Thema der Kriterien zur Wertbestimmung. Denn tiefer schürfende Informationen streiten sich mit den Berufsgeheimnissen dieser erfahrenen Foto-Expertin, die für Sotheby’s in Paris die Abteilung Fotografie leitet. Das zeigte bereits der thematisch vergleichbare Vortrag, den sie Ende Juni 2012 auf einer Tagung der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) hielt. Dennoch dürften die Leser dankbar sein für die kompakte Übersicht an Fragestellungen, die hier aus der Perspektive des Auktionsgeschäfts geboten werden.

Hohe Leserblatt-Bindung

Art Value wird man leider im Handel vergeblich suchen. Denn das Magazin richtet sich vor allem an die Kunden der Kooperationspartner Allianz und der dtb Rechtsanwälte, Berlin. Nur ein Drittel der 10.000er-Auflage steht dem Verteiler des Berliner Welther Verlags und seinen Abonnenten zur Verfügung. „Wir wollten die hohe Leser-Blattbindung einer Kundenzeitschrift mit der journalistischen Glaubwürdigkeit und dem diskursiven Zugang einer freien Publikation verbinden“, erläutert Chefredakteur Tilman Welther das Konzept seines Magazins. Entwickelt hatte er es seinerzeit mit dem Versicherungsunternehmen Axa Art Deutschland unter Federführung von Stefan Horsthemke, der 2011 als Kunstberater zur Beerenberg Bank wechselte.

„art value. positionen zum wert der kunst. Fotografie jenseits von Schnappschuss und Schnäppchen“, Ausgabe 10, 6. Jahrgang, Welther Verlag GmbH Berlin 2012. ISSN 1864-5194. Das Abonnement von zwei Ausgaben jährlich kostet 16,90 Euro.

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