Artcurial in München
Hintergründe einer Filialgründung

Bei Artcurial-Briest-Poulain-F.Tajan sind die Weichen auf Wachstum gestellt. In der zweiten Jahreshälfte wird das größte französische Auktionshaus eine Repräsentanz in München eröffnen. Im Oktober will es in Hongkong versteigern.
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ParisAchtung, die Franzosen kommen! Das größte französische Auktionshaus Artcurial-Briest-Poulain-F.Tajan setzt seinen Expansionskurs fort und eröffnet in diesem Jahr eine Repräsentanz in München. Moritz Freiherr von der Heydte, zuletzt in der Münchner Galerie Röbbig tätig und mit langjähriger Erfahrung im Auktionsbereich ausgestattet, ist für das Büro, Kulturprogramm und Aufspüren von Ware verantwortlich.

Bei einem Treffen mit dem Gründer und Generaldirektor der Artcurial Holding SA, Nicolas Orlowski, erklärte der blauäugige 50-Jährige die pyramidale Struktur der Artcurial Holding und ihrer Filialen. Orlowski gründete das Auktionshaus mit Auktionssaal und Ausstellungsräumen 2002 an den Champs-Elysées. 2014 erzielte das Unternehmen einen Jahresumsatz von 192 Millionen Euro. Im gleichen Haus befinden sich eine Kunstbuchhandlung und ein Restaurant.

Im normannischen Nobelbadeort Deauville, 200 Kilometer nordwestlich, betreiben Artcurial und sein Partner Aga Khan das auf Pferdeauktionen spezialisierte Haus Arqana (Jahresumsatz 138 Millionen Euro im Jahr 2014).

Galerie für Privatverkäufe

Orlowski erwarb die Marke Artcurial 2001 von der Kosmetikgruppe L'Oréal, die früher in der Avenue Matignon eine gestylte Buchhandlung mit Galerie betrieb. Er war bereits Mieter des imposanten Stadtpalais der Milliardärsfamilie Dassault an den Champs-Elysées, und beschloss dort die Gründung eines Auktionshauses. Dazu kaufte er die Firmen der Auktionatoren Francis Briest, später Hervé Poulain und Remy Le Fur auf. François Tajan stieß 2005 zu ihnen. Sowohl die Familie Dassault investierte in die Artcurial Holding als auch der 2014 verstorbene monegassische Immobilien-Gigant Michel Pastor. Dessen Erben behalten die Beteiligung an Artcurial bei.

Die ursprüngliche Galerie Artcurial führt Orlowski als eine der Filialen weiter. Sie dient u. a. für die Privatverkäufe. Klug umschiffte Artcurial damit den rechtlichen Rahmen, denn französische Auktionshäuser dürfen erst seit 2011 die einträglichen und undurchsichtigen Privattransaktionen vornehmen, die die Galerie Artcurial längst praktizierte.

Geschäft mit Automobilen

Nach dem Ausscheiden des Auktionators Remy Le Fur, der lange Zeit als der „beste Hammer“ (d.h. beste Auktionator) von Paris galt, stehen derzeit acht Auktionatoren ihren Spezialabteilungen vor. Francis Briest leitet den Sektor Moderne und Zeitgenossen, François Tajan Schmuck und die Auktionen in Monaco und der charismatische Hervé Poulain, der Erfinder des von Künstlern bemalten „Art Car“ beim Autorennen von Le Mans, versteigert via „Artcurial Motorcars“ Rennwagen- und Sammler-Autos. Sie schlugen im Februar dieses Jahres bereits mit 46 Millionen Euro Umsatz zu Buche, darunter ein Sensationsrekord von 16,3 Millionen Euro für einen „1961 Ferrari 250 GT SWB California Spider“, zu dessen Vorbesitzern Alain Delon zählte.

Jeder Artcurial-Auktionator agiert als autonomer, voll verantwortlicher Kleinunternehmer. Das gilt auch für den gebürtigen Deutschen Martin Guesnet, der für die europäischen Niederlassungen verantwortlich ist. Er arbeitet eng mit den Leitern der Büros in Brüssel, Mailand, Wien und München zusammen.

Die Sommerversteigerungen des Auktionshauses in Monaco werden in Zukunft auch im Winter stattfinden, da sie 2014 immerhin 14 Millionen Euro einfuhren. Im Übrigen vertritt der Sammler Philippe Cohen das Auktionshaus seit Anfang dieses Jahres in Tel Aviv.

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