Arte Povera
Aus Klumpen und Lumpen

Die Arte Povera ist eine italienische Erfindung der späten Sechziger. Jetzt feiert Italien die Kunst der „armen“ Mittel in sieben Ausstellungen landesweit. Regie führt der Taufpate der Stilrichtung, der Kurator und Kritiker Germano Celant.
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TurinMit Klumpen und Lumpen die Kunst von ihrem hohen Sockel holen, sie aus ihrer schöngeistigen Sphäre auf den Boden der Materie zurückführen, das wollten viele Künstler in den sechziger und siebziger Jahren. Auch in Italien und zwar mit ärmlichen Materialien und Ideenreichtum. Filz, Pflanzen, Steine, Erde, alles, was sinnlich wahrnehmbar war und ohne geistigen Überbau den Betrachter anzusprechen vermochte, sollten dabei helfen. Nicht das fertige Kunstobjekt, sondern die Aktion zählte, folglich nicht das ewig Währende, sondern der Moment. Wie ein solches Konzept, das naturgemäß im Verdacht der Kurzlebigkeit steht, auch finanziell zu einer richtungweisenden Strömung werden konnte, war eine Frage des Marketings, des geeigneten Brandings zum richtigen Zeitpunkt.

Jetzt feiert Italien landesweit die Arte Povera, die Kunst der „armen“ Mittel. Auf sieben Museen ist die bis ins Frühjahr 2012 terminierte Ausstellung verteilt. Regie führt der Taufpate der Stilrichtung, der Kurator Germano Celant. Herausragend ist die Ausstellung im Castello di Rivoli. Hier geht es nicht nur um ihre Entwicklung bis heute, sondern auch um die Berührungspunkte der Arte Povera mit anderen internationalen Strömungen der sechziger und siebziger Jahre. Nicht zuletzt sie sind es, die den Erfolg der Arte Povera-Künstler auf dem internationalen Kunstmarkt erklären.

Celants genialer Einfall

Germano Celant (Jahrgang 1940) hatte einen genialen Einfall, als er 1967 in der Galerie Bertesca in seiner Heimatstadt Genua einige Künstler unter dem Titel der „Arme Kunst im Raum“ zusammenführte. Denn damit war alles gesagt: Die Dürftigkeit der Mittel und die Raumbezogenheit der Kunst. Wie überwältigend die Kombination sein kann, zeigen die 33 Säle des Kunstschlosses Rivoli jetzt. Ein jeder Raum ist schon für sich eine kleine Ausstellung, gemeinsam formen sie einen kaleidoskopischen Spiegel, in den die Künstler die Gesellschaft schauen lassen.

Vertreten sind nicht nur die 13 Künstler der ersten Stunde der Arte Povera wie Alighiero Boetti, Mario Merz oder Michelangelo Pistoletti, sondern auch ihnen seelenverwandte Kollegen aus dem Ausland wie Lothar Baumgarten, Rebecca Horn, Daniel Buren Bill Bollinger oder Bruce Nauman.

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