Artissima
Ablenkungsmanöver mit Kuchen

Turin macht mit zeitgenössischer Kunst noch immer gut Umsätze. Das verkünden die Organisation der Kunstmesse Artissima. Doch das Programm ist seicht. Dagegen glänzen die Alten. Die Künstler der Sechziger und Siebziger hatten richtig gute Ideen.
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Turin.Die Turiner Messe der zeitgenössische Kunst Artissima ist am Sonntag, den 6. November zu Ende gegangen. Die Veranstalter sprechen von einem Erfolg, da die Besucherzahl trotz Dauerregen nur leicht, nämlich von 48 000 auf 45 000 zurückgegangen ist. Auch das Geschäftsvolumen, das 2010 zwischen 10 und 15 Millionen Euro lag, soll sich gehalten haben. Dennoch wies die Messe einige Schwächen auf.

Möchten Sie noch ein Stückchen „Olivestone“ von Beuys? Oder lieber einen Happen „Memorial of the Good Old Time“ von Kippenberger? Und wie steht´s mit Mario Merz „Che fare“ -Was tun?“ auf einer Creme? Vor solch schwierige Fragen sah sich der Besucher auf dem künstlerischen Kuchenstand zum Thema der Beständigkeit, „Permanence on Demand“, gestellt. Messeleiter Francesco Manacorda inszenierte ihn höchstpersönlich mit Unterstützung der Künstlerin Lara Favaretto.

Nebenschauplätze absorbieren Aufmerksamkeit

Die Besucher verzehrten hier museumsreife Kost. 80 Torten, 20 pro Tag, buk Küchenchef Luca Montersino aus Monticello d’Alba nach den Vorlagen der Werke berühmter Künstler. Ob die tiefsinnigen Hintergründe der Kunstverzehrs, vom Konsumverhalten zur Vermarktung, vom Kannibalismus zum Nahrungs- und Kunsttabu, nun tatsächlich über den Magen in die Köpfe drang, ist ebenso fraglich wie die Anlehnung an die „Eat Art“ etwa eines Daniel Spoerri. Sie blieb bei allem Kalorienreichtum armselig und substanzlos.

Schade ist, dass die Schlacht am Tortenbuffet andere Initiativen in den Schatten stellte. Etwa die durchaus lobenswerte Sektion Statistikbüro, die Daten zur Messe life übertrug, angefangen von den Besucherzahlen bis zu den Preisklassen der Objekte in den Kojen. Damit knüpfte sie an den Vorstoß in die Welt der Zahlen an, den die Messeleitung schon im Katalog gewagt hatte. Dieser präsentiert sich nicht als Bilder-, sondern als ein Handbuch mit Graphiken, Tabellen und Statistiken, die sich mit der drögeren Seite der Schönen Künste, der nackten Realität der Zahlen, befassen. Nur ein Verkaufsindex ließ sich nicht finden, als ob die Kunst bei Geld noch die Nase rümpfte.

 

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