Artissima
Neue Messeleiterin fördert das Geschäft

An der Spitze der Artissima standen bisher nur Männer. Jetzt präsentierte sich Italiens Drehscheibe für den Verkauf von zeitgenössischer Kunst erstmals unter der Leitung einer Frau. Sarah Cosulich Canarutto stärkt die Messe als Verkaufsplattform. Die Galeristen reagieren mit einem Programm, in dem Künstlerinnen die Akzente setzen.
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TurinMit großer Spannung war die 19. Ausgabe der Artissima in Turin erwartet worden. Denn die wichtigste Kunstmesse Italiens wird neuerdings von einer Frau geleitet. Sarah Cosulich Canarutto übernahm im Frühjahr das Ruder von Francesco Manacorda, der nach nur zwei Ausgaben von der Tate Liverpool abgeworben wurde.

Die 1973 in Triest geborene Kuratorin und Kritikerin änderte wenig an der Struktur dieser Messe für zeitgenössische Kunst, die nach wie vor in vier Bereiche eingeteilt ist. Dabei erfreuen sich neben dem Hauptsektor und den Neuzugängen („New Entries“) vor allem zwei Bereiche großer Beliebtheit: „Back To The Future“ mit Einzelausstellungen in Vergessenheit geratener Klassiker der 1960er- und 1970er-Jahre und „Present Future“ mit viel versprechenden Nachwuchskünstlern. Insgesamt waren vom 9. bis 11. November 172 Galerien zugelassen, davon 53 italienische und 119 ausländische Teilnehmer.

Investition in die Kundenpflege

Für Cosulich Canarutto, die jahrelang auch als Kunstberaterin gearbeitet hat, ist Kunst Kapital. Ihr geht es weniger um eine Nabelschau der Kuratoren, sondern um das Geschäft. Deshalb hatten Sonderausstellungen wie die eher peinliche „Approssimazioni razionali semplici“ (einfache rationale Näherungen ) vom vergangenen Jahr keine Chance. Stattdessen stockte die Messeleiterin das Budget zur Kundenpflege auf 100.000 Euro auf, gut 30 Prozent mehr als im letzten Jahr. Die Einladungen an 200 internationale Sammler machten sich bereits zur Vernissage, aber auch an den folgenden Tagen bemerkbar. Mehr als früher sah man in den Kojen Galeristen mit potentiellen Kunden verhandeln und nicht selten endeten die Gespräche positiv.

Dabei war das Angebot der diesjährigen Artissima eher anspruchsvoll, wie etwa auf dem Stand der Galerie Charim aus Wien. Hier entfalteten Valie Exports frühe Performances für die Foto- und Filmkamera ihre provokante Wirkung. Schonungslos setzte die heute 72-jährige Linzer Medienkünstlerin ab den späten Sechzigern ihren Körper für Arbeiten ein, die Charim im Sektor „Back To The Future“ zeigte. Charim verkaufte mehrere Filme und kleine Fotoserien in der Preisklasse von 25.000 Euro. Auch die großen Vitrinen mit Archivalien zu Performances, die bis zu 200.000 Euro kosten, stießen auf Interesse.

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