Artnet AG
Talfahrt verlangsamt

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Geldvernichter und Hoffnungsträger

Größte Baustelle und größter Hoffnungsträger zugleich ist das Auktionsgeschäft, mit dem Artnet vor über zehn Jahren schon einmal fast Schiffbruch erlitten hätte und das weiterhin der größte und aktuell einzige Geldvernichter im Unternehmen ist. Bei geschrumpften Umsatzerlösen von 1,1 Millionen Euro (2012 waren es 1,39 Millionen Euro) im ersten Halbjahr produziert die Sparte einen ausgeweiteten Verlust von 845.000 Euro (2012 waren es 732.000 Euro). Hier soll eine neue Preisstruktur Abhilfe schaffen. Auf niedrigpreisige Lose bis 2.000 Dollar soll eine Einstellgebühr von 150 Dollar erhoben werden, für hochpreisige Werke ab 20.000 Dollar soll die Verkaufsprovision hingegen gänzlich entfallen. Dadurch sollen die Durchschnittspreise je Los angehoben werden. Ob durch das Vergraulen des Niedrigpreissegments das Top-Segment erschlossen werden kann, ist jedoch fraglich. Schließlich zahlen Einlieferer begehrter Kunstwerke schon bei traditionellen Auktionshäusern wegen des harten Wettbewerbs selten Abgeld.

Konkurrenz der Verkaufsportale

Immerhin scheint das Internet für den Kunsthandel so interessant zu sein, dass es mittlerweile eine ganze Reihe von neuen Anbietern gibt. Viele von ihnen sind mit frischem Venture Capital ausgestattet und können daher mit größerem Marketing-Aufwand um Kundschaft werben. Das bekannteste Portal dürfte das Händlerportal Artsy.com (New York) sein, das sich der finanziellen Unterstützung unter anderem von Eric Schmidt (Google), Dasha Zhukova (Roman Abramowitsch) und Larry Gagosian (Galerie-Imperium mit geschätzten 2 Milliarden Dollar-Umsatz) erfreut, jedoch keine Auktionen veranstaltet. Ebenfalls aus New York stammt Artspace.com, das bisher 12,2 Millionen Dollar Venture Capital eingesammelt hat und bei dem Besucher die Kunst direkt kaufen können, statt erst die anbietenden Galerien kontaktieren zu müssen.

Beteiligung offen

Seit knapp zwei Jahren ist Paddle8.com (ebenfalls New York) aktiv, das bisher 10 Millionen Dollar auftreiben konnte. In der zweiten Finanzierungsrunde waren unter anderem der Künstler Damien Hirst, der Galerist Jay Jopling (White Cube, London) und Redline Capital dabei. Paddle8 hatte als provisionsbasiertes Galerie-Portal begonnen, sich dann jedoch auf Online-Auktionen verlegt, als die erhofften Kommissionserlöse mangels Ehrlichkeit der Beteiligten ausblieben.

Redline hat Paddle8 eine Option auf drei Prozent seiner Artnet-Aktien eingeräumt. Bei Paddle8 ist man sich aber noch nicht sicher, ob man diese Option auch ausübt, sondern möchte die Situation lieber beobachten.

Wettbewerb im Internet

Mit auctionata.com haben die Artnet Auctions sogar einen Konkurrenten direkt vor der Haustür. Das Berliner Unternehmen ist erst kürzlich in einer zweiten Finanzierungsrunde mit 20,2 Millionen Dollar ausgestattet worden, unter anderem von HV Holtzbrinck Ventures, das zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck GmbH gehört. Aufsichtsrat-Vorsitzender von Auctionata ist pikanterweise Jochen Gutbrod, der kurzzeitig parallel im Aufsichtsrat von Artnet saß.

Ungemach droht der gesamten Branche der Internet-Kunsthändler derweil von anderer Seite. Erst im Juni hat Christie's mit einer ausschließlich im Internet abgehaltenen Versteigerung von 33 Papierarbeiten Willem de Koonings einen ersten Testballon gestartet. Und Amazon, der Gigant des Internethandels, lässt seit Anfang August rund 100 Händler (darunter Paddle8) Kunst zu Festpreisen auf seinem Portal anbieten.

Es scheint, als läge ein Teil der Zukunft des Kunsthandels tatsächlich im Internet. Es wird spannend, zu beobachten, ob das Rennen Alte Hasen wie Artnet, Dickschiffe wie Christie's und Amazon oder doch die trendigen Newcomer wie Artsy und Paddle8 für sich entscheiden können.

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  • Ein entscheidendes Manko ist doch bei artnet,Auctionata u.a.,daß sie die Kunstwerke kaum im Original durch Experten prüfen lassen.Desweiteren gilt es die Fernabnahmerichtlinie für online Geschäfte zu beachten.Binnen 14 Tagen kann der Kunde die ersteigerten Werke ohne Angabe von Gründen zurückgeben?

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