Artnet
Hastiger Wach- und Kurswechsel

Artnet, die Preisdatenbank, des Internetpioniers Hans Neuendorf steht vor einschneidenden Veränderungen. Zum 1. Juli übernimmt sein Sohn Jacob Pabst das Ruder und wird CEO der Artnet Worlwide Corp. Das Artnet-Magazin wurde geschlossen, die Hauptversammlung verschoben.
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BerlinAuf einmal ging alles ganz schnell. Am frühen Montagabend teilte Hans Neuendorf - Gründer, Hauptaktionär und Vorstandsvorsitzender der Berliner Artnet AG – seinen Mitarbeitern in einer knappen Email mit, dass sein Amt nach 20 Jahren aufgeben werde. Als Nachfolger habe der Aufsichtsrat seinen Sohn Jacob Pabst bestimmt. Rund eine halbe Stunde später erfuhren die Mitarbeiter vom New Yorker Chefredakteur des Artnet Magazine, dass alle drei Ausgaben – USA, Deutschland und Frankreich – ihr Erscheinen einstellen.

Der 39-Jährige Pabst ist Diplom-Volkswirt und Artnet seit 2000 verbunden. Er war zunächst zuständig für die IT des Unternehmens und erst im März von seinem Vater zum President artnet worldwide ernannt worden. Hinter der nicht unerwarteten, in seiner Plötzlichkeit jedoch recht überstürzt wirkenden Nachfolgeregelung und dem Einstampfen des renommierten Magazinteils dürfte ein handfester Machtkampf um das Unternehmen stecken.

Erst in der Woche zuvor hatte die Luxemburger Redline Capital Management in einer Pflichtmitteilung bekannt gegeben, dass sie gut 9 Prozent der Aktien der Artnet AG halte. Der Krefelder Kunsthändler Rüdiger K. Weng hatte kurz zuvor seinen Anteil auf gut 4 Prozent aufgestockt. Weng sagte gegenüber dem Handelsblatt, dass beide Anteilseigner „vor, während und nach der Hauptversammlung“ gemeinsam handeln würden. Beide Parteien sind keine Unbekannten in der Branche. Redline-Vorstand Sergey Skaterschikov betreibt die Kunstberatung Skate Art Investment mit der Skate's Art Investment Review und ist seit einigen Monaten Besitzer der Wiener Kunstmesse Viennafair. Hinter ihm steht der russische Milliardär Vladimir Evtushenkov, der mit Mobilfunk und Erdöl sein Geld verdient hat. Weng war einst selbst Besitzer der Kunstmarkt.com AG, einem Konkurrenzunternehmen zu Artnet. Seit Anfang des Jahres ist seine Weng Fine Art AG im Entry Standard der Frankfurter Wertpapierbörse aufgenommen.

Gemeinsam planen die beiden, aus Artnet ein profitables Unternehmen zu machen. Dazu müssen sie allerdings zunächst größeren Einfluss auf die Gesellschaft gewinnen. Wohl nicht zuletzt, um sich gegen dieses Vorhaben besser zu wappnen, hat die Artnet AG ihre für den 11. Juli geplante Hauptversammlung verschoben, voraussichtlich auf den 8. August. Doch auch die Gegenseite dürfte bis dahin ihre Truppen sammeln.

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