Artnet
Streit um Kunstmarkportal entflammt

Das Aktionärstreffen der Transaktionsplattform Artnet ging drunter und drüber. Jetzt werden sich Anwälte mit dem renommierten Kunstmarktportal beschäftigen.
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BerlinSo hatte sich Hans Neuendorf seine letzte Hauptversammlung (HV) sicher nicht vorgestellt. Der 74-jährige Gründer und seit dem Börsengang 1999 alleinige Vorstand des Kunstmarktportals hätte wohl lieber die Stabübergabe an seinen Sohn Jacob Pabst (39) zelebriert. Stattdessen spielten sich in der 13-stündigen Veranstaltung, die durch stundenlange Beratungspausen unterbrochen wurde, immer wieder tumultartige Szenen ab. Gipfel des absurden Theaters war ein älterer Kleinaktionär, der nach einem Saalverweis tänzelnd durch den Raum flüchtete und - auf einen Ordner zeigend - schrie: "Der hat mich geschubst und angefasst!"

Ernster als die üblichen krakeelenden Kleinstaktionäre war ein als feindlich empfundenes Übernahmeangebot. Zwei Lager standen sich unversöhnlich gegenüber, die oft unsouverän wirkende Versammlungsleitung war nur selten in der Lage, das Geschehen in geordnete Bahnen zu lenken.

Artnet ist im Kunstmarkt eine Instanz. Am bekanntesten ist seine Kunstpreisdatenbank, die als Referenz für Auktionspreise gilt. Seit Jahren versucht sich das Unternehmen wieder an Online-Auktionen, die bereits 1999 misslangen. Seitdem schiebt Artnet einen Verlustvortrag von immer noch knapp 52 Millionen Euro vor sich her. Die Verluste verbrennen seinen Cashbestand. Aktuell (per 30.6.) sind nur noch gut 1,6 Millionen Dollar übrig, bei rund 120 festen Mitarbeitern ist das nicht gerade üppig. Doch die Marke ist weltweit bekannt und hat mit dem Datenspeicher ein begehrtes Asset. Kein Wunder also, dass es Begehrlichkeiten gibt.

Die Luxemburger Redline Capital Management und der Krefelder Kunsthändler Rüdiger K. Weng mit seiner Weng Fine Art AG hatten Mitte Juni einen Aktienanteil von knapp 10 Prozent zusammen und öffentlich Interesse an einer Übernahme der Artnet AG bekundet. Redline-Vorstand Sergey Skaterschikov betreibt die Kunstberatung Skate Art Investment mit der Skate's Art Investment Review und ist Besitzer der Wiener Kunstmesse Viennafair. Hinter ihm steht der russische Milliardär Vladimir Evtushenkov.

Weng hat mit Kunstmarkt.com einst selbst ein Kunstmarktportal betrieben, einen Konkurrenten von Artnet. Seit Anfang 2012 ist die Weng Fine Art AG in den Entry Standard der Frankfurter Wertpapierbörse aufgenommen und mit ihren neun Mitarbeitern rund ein Viertel höher bewertet als Artnet, das es bei hoher Volatilität auf knapp 30 Millionen Euro bringt.

Gemeinsam wollten die beiden Artnet übernehmen und es zu einem profitablen Unternehmen machen. Die Reaktion kam prompt und überraschend. Am 25. Juni teilte Neuendorf seinen Mitarbeitern per E-Mail mit, dass er sein Amt nach 20 Jahren aufgeben und sich auf die Beratung des Unternehmens beschränken werde. Als Nachfolger habe der Aufsichtsrat seinen Sohn Jacob Pabst bestimmt. Danach teilte er die Schließung der drei Artnet Magazine aus Kostengründen mit. Dann wurde die HV um einen Monat verschoben.

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