Art Cologne
Das Ende der Fairness

Die Art Cologne sieht glänzend aus und muss doch um ihre Strahlkraft bangen. Der Grund: die Wettbewerbsnachteile, die aus deutschem Recht resultieren.
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KölnSie ist frisch. Sie ist breit aufgestellt. Sie lockt Sammler, Kuratoren und Museumsleute an. Die 51. Ausgabe der Art Cologne (nur noch bis Samstag 29.4.2017) hat wieder mal bewiesen, dass sie Kunst am Puls der Zeit und Klassiker aus dem 20. Jahrhundert in ansprechender Form und hoher Qualität in drei Hallen zu präsentieren versteht. Der Mutter aller Messen für zeitgenössische Kunst sieht man ihr Alter nicht an. Art Cologne-Direktor Daniel Hug hat wieder einmal für eine vibrierend gute Mischung von Experimentellem und Bewährtem, von Jungem und Klassischem gesorgt.

Das Problem der deutschen Aussteller sind nicht die zeitnahen Veranstaltungen in Brüssel und Berlin (s. HB-Print v. 21.4. und HB v. 13.4) – ihr Problem sind die deutschen Rechtsgrundlagen (siehe auch HB v. 28.4.). Deutschland hat zwar dank weitsichtiger und risikobereiter Galeristen seit den 1950er-Jahren einen hoch entwickelten Kunstmarkt. Zahlreiche deutsche Künstlerinnen und Künstlern sorgen weltweit für Furore. Deutschland hat landauf landab kunstsinnige Privatsammler, die ihrer Leidenschaft für junge, nicht immer leicht zu verstehende Kunst auch an Kinder und Enkel weitergeben. Bei der Vernissage in Köln etwa traten etliche Clans gleich mit mehreren Generationen an. Dazu gesellen sich Unternehmer, die nicht nur die Bilanz, sondern auch das Gemeinwohl im Blick haben und für ihre Firmensammlung einkaufen.

Rechnung im Kopf

Das Ungemach resultiert aus der auf 19 Prozent erhöhten Mehrwertsteuer, dem Kulturgutschutzgesetz und dem Folgerecht. Alles Maßnahmen, die der Außenwirkung des Marktplatzes Deutschland nicht eben zum Vorteil gereichen. Deutsche Regularien führen zu Wettbewerbsverzerrungen. Ein deutscher Galerist muss einem deutschen Sammler 19 Prozent Mehrwertsteuer berechnen. Ein ausländischer Galerist berechnet demselben Sammler 7 Prozent Einfuhrzoll. Wer zahlt freiwillig 12 Prozent mehr? Mit dieser Rechnung im Kopf wird klar, warum die Schweizer Messegesellschaft MCH Anteile an der im Entstehen begriffenen Art Düsseldorf erworben hat. Jeder ausländische Teilnehmer profitiert automatisch von den Wettbewerbsvorteilen.

Das ist das Ende der Fairness. Die Schweizer Messegesellschaft MCH Group, die die Art Basel und ihre Ableger betreibt, hat verkündet, dass sie weltweit siebzehn Regionalmessen kauft oder sich daran beteiligen will. Das sei dann eine Form von Kolonialismus, kontert Daniel Hug in einem Gespräch mit der dpa. Damit ginge die für die Kunst so wichtige Vielfalt und Individualität verloren. Was käme, wäre ein genormtes Produkt vor dem Kunstkauf: Schweizer Präzision und Wertschöpfung. Die Kunst wird dann stetig weniger wichtig als die Verkaufs- und Marketingmaschine drum herum.

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