Arts' n' Drafts
Millionen eines Mäzens

Kunstwerke, Immobilien und Wertpapiere erbte der Folkwang-Museumsverein von den Privatsammlern Walter und Liselotte Griese. Damit soll die Abteilung Expressionismus ausgebaut werden.
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EssenGeschenke gibt es nicht nur zu Weihnachten. Mit einem echten Mäzen im Förderverein gibt es sie auch zwischendurch. Aber Mäzene sind selten geworden. Meist treffen wir Sponsoren an. Die aber bestehen auf einem Nutzen ihrer milden Gabe. Der Mäzen hingegen schenkt, weil er eine Institution fördern möchte, mit der er emotional eng verbunden ist. Und weil er ein Sammelgebiet liebt, für das das Museum Weltruhm genießt.

Überaus reich beschenkt wurde gerade das Folkwang Museum, bzw. der Folkwang-Museumsverein in Essen. Ende 2016 geht in vollem Umfang ein Vermögen in einem niedrigen zweistelligen Millionenbetrag in seine Hände über.

„Eine solch großzügige Zuwendung hat das Museum seit Jahrzehnten nicht gesehen,“ freut sich Tobia Bezzola, der Museumsdirektor.
Bereits 1997 hatten der ehemalige Manager aus der Glasindustrie Dr. Walter Griese (1914-1999) und seine Ehefrau Liselotte (1919-2016) verfügt, dass ihre Expressionismus-Sammlung und ihr gesamtes Vermögen dem Folkwang-Museumsverein zufallen und Erlöse ungeschmälert in Ankäufe umgesetzt werden sollten. Schon 2001 übertrugen sie in einem ersten Schritt sieben wertvolle Gemälde dem Verein. Ein solch kapitales Gemälde, wie den Kirchner-Akt mit Hut vor dem Bollerofen aus dem Jahr 1909 heute zu Marktpreisen zu erwerben, wäre dem Museum nicht (mehr) möglich.

Nach dem Tod von Liselotte Griese im Frühjahr 2016 folgt der zweite Schritt. Der Nachlassverwalter veräußert drei Immobilien und Wertpapiere, darunter auch einige von Energieunternehmen, die inzwischen aber schwächer notieren als vor der Energiewende. Für eine immer noch mittlere einstellige Millionensumme dürfe Direktor Bezzola Wünsche äußern, die die Sammlung im Bereich des Expressionismus ergänzen, sagt Dr. Ulrich Blank, Vorsitzender de des Folkwang-Museumsvereins, dem Handelsblatt auf Anfrage. Die Käufe tätigt der Nachlassverwalter. Die Erblasser wollten ganz sicher sein, dass ihre Leidenschaft für den Expressionismus auch tatsächlich umgesetzt wird.

Reine Schenkungen sind selten. Alle Rekorde brach vor fünf Jahren Hans-Werner Hector, der SAP-Mitgründer, der der Kunsthalle Mannheim 50 Millionen Euro zukommen ließ. Die Hector-Stiftung unterstützt die Kunsthalle Mannheim nicht nur mit dem nach dem Stifter benannten Kunstpreis, sondern auch mit einer millionenschweren Startfinanzierung für den Neubau, der 2017 eröffnet werden soll. Meist aber wird in Verbindung mit Ankäufen geschenkt, jüngst etwa in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen mit dem Erwerb der „Sammlung Dorothee und Konrad Fischer“.

Das kinderlose Ehepaar Griese aus dem Ruhrgebiet aber hat es gemacht wie die Wohlhabenden im Mittelalter, die sich um „Memoria“ sorgten und Kapellenanbauten in den gotischen Domen finanzierten. Qua Kunst ist das Gedächtnis ihres Namens, ihres Wirkens und ihrer Gabe nun über Generationen und eng mit der Sammlung von Karl Ernst Osthaus, dem Initiator des Folkwang Museum, gesichert. Von solch großzügigen Mäzenen könnte Deutschland noch ein paar mehr gebrauchen. Seit die Superreichen eigene Museen bauen, haben die gewachsenen Museen das Nachsehen.

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