Biennale Venedig Mut zur Unabhängigkeit

Christine Macel ist die Chefin der zentralen Ausstellung auf der 57. Kunst-Biennale in Venedig. Diese Woche hat sie ihre Künstlerliste veröffentlicht. Damit beweist die Französin einen eigenen Kopf und Abstand zu den Großgalerien.
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DüsseldorfDie stolzen Mails kommen nicht in einer großen Welle. Sie tröpfeln vereinzelt herein, abgesandt von engagierten Pilotgalerien, die Künstler entdecken und aufbauen. Sie kommen  nicht von den Großgalerien mit Filialen in aller Welt und umsatzgetriebenen Direktorengeschwadern. „We are pleased to announce that Nevin Aladag is invited to the upcoming  International Art Exhibition of La Biennale di Venezia, curated by Christine Macel”, mailt die Galerie Wentrup diese Woche. Die Kollegen von Carlier Gebauer freuen sich über die Beteiligung von Sebastian Diaz Morales. Barbara Gross meldet doppeltes Glück. Macel hat Yorgos Sapountzis und Kiki Smith zu ihrer Ausstellung „Viva Arte Viva“ eingeladen.

Christine Macel, Kuratorin der wichtigsten Ausstellung während der Biennale von Venedig. Quelle: La Biennale di Venezia
Hält Abstand zu einflussreichen Großgalerien

Christine Macel, Kuratorin der wichtigsten Ausstellung während der Biennale von Venedig.

(Foto: La Biennale di Venezia)

Für die 57. Kunstbiennale in Venedig hat ein Gremium die französische Kunsthistorikerin Christine Macel als Kuratorin der zentralen Schauen im Arsenale und in den Giardini gewählt. Diese Woche hat die Französin ihr Konzept und die heiß begehrte Namensliste veröffentlicht. Ein Auftritt in Venedig ist für jeden Kunstschaffenden ein Ritterschlag. Die weltweite Aufmerksamkeit dieser Plattform zieht für Kunstschaffende mehr Nachfrage, mehr Ausstellungen, mehr Verkäufe und damit auch steigende Galerie-Preise hinter sich her.

Wird es ein politisch oder eine ästhetisch grundierte Ausstellung werden? In einer Welt der Kriege und Krisen ist es für Christine Macel gerade die Kunst, die Humanität ausdrückt. „In this type of humanism, the artistic act is contemporaneously an act of resistance, of liberation and of generosity.“ Mit diesen Worten hat Paolo Baratta, der eloquente Biennale-Präsident, die im Mai für sechs Monate startende Großschau charakterisiert.

120 Künstlerinnen und Künstler aus 51 Ländern hat die Chefkuratorin des Centre Pompidou in die Lagune eingeladen. 103 nehmen zum ersten Mal an der ältesten aller Biennalen teil. Nur rund ein Viertel aller Namen sind der Kunstmarktbeobachterin geläufig. Damit beweist Christine Macel einen eigenen Kopf und vor allem Abstand zu einflussreichen Großgalerien. Die sollen in früheren Jahren schon mal Kuratoren nahegelegt haben, ihre Schützlinge aufzunehmen, oder zumindest durch großzügige finanzielle Unterstützung Bedenken aus dem Weg geräumt haben.

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