Bilanz 2017 Christie’s Superkunstjahr

Globaler Wohlstand und der Wille, Geld in Kunst anzulegen, heben Christie’s Jahresumsatz 2017 auf 6,6 Milliarden Dollar. Das sind 21 Prozent mehr als im mageren Jahr 2016.
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DüsseldorfAlle zehn Jahre, wenn in einem Sommer documenta, Skulpturenprojekte in Münster und die Biennale von Venedig stattfinden, spricht man gern vom Superkunstjahr. Ein solches Superkunstjahr war 2017 auch für Christie’s. Das eigentümergeführte Auktionshaus veröffentlicht am heutigen Freitag in einer freiwilligen Auswahlbilanz einen Gesamtumsatz von 6,6 Milliarden Dollar - ein globales Wachstum von 21 Prozent, eine Zunahme bei den Auktionsumsätzen um 33 Prozent. Mit je 1,6 Milliarden Dollar Umsatz liegen die Sammelgebiete zeitgenössische Kunst (+20 Prozent) und Impressionisten und Moderne (+53 Prozent) gleichauf. Anders als der börsennotierte Konkurrent Sotheby’s, muss Christie’s keine Bilanzzahlen veröffentlichen.

Christie's CEO fühlt sich in seiner Expansionsstrategie bestätigt. Quelle: Christie's
Guillaume Cerutti

Christie's CEO fühlt sich in seiner Expansionsstrategie bestätigt.

(Foto: Christie's)

Das sind nach einem Jahr der Restrukturierung und Kosteneinsparung (in South Kensington u. Amsterdam) erstaunlich starke Zahlen in einem vor allem im Hochpreissektor starken Markt. Das Vorjahr war ausgesprochen schwach und kam auf nur 5,4 Milliarden Dollar. 2015 und 2014 hatten indessen mit 7,4 und 8,4 Milliarden Dollar entschieden höher gelegen. CEO Guillaume Cerutti sieht sich in seinem Expansionskurs nach Asien und Digitalisierungsbestreben durch die Märkte bereits kurzfristig bestätigt.

Neben dem „Salvator Mundi“ von Leonardo für den bislang unerreichten Preis von 450 Millionen Dollar gingen auch sechs weitere Werke der weltweiten Top Ten-Kategorie durch die Hände von Christie’s Mitarbeitern. Dass sich die Investitionen in die Digitalstrategie beginnen auszuzahlen, legen die Online Only-Verkäufe nahe. Sie kamen mit 72,4 Millionen Dollar auf ein Wachstum von 8 Prozent. Rechnet man die während den Saalauktionen via Internet eingereichten Gebote hinzu – streng genommen sind das keine Onlinegebote – liegt der Umsatz gleich bei 214,4 Millionen Dollar. 27 Prozent der Neukunden lernen Christie’s im Netz kennen. Sie kaufen meist zunächst Uhren oder Handtaschen und dann auch mal ein kleineres Kunstwerk. Asien ist technikaffin, hier liegt der Anteil der Onlinekäufer schon bei 23 Prozent. Erfreulich ist, dass relativ viele Onlinekäufer innerhalb eines Jahres auch in einer Saalauktion via Christie’s LIVE mitbieten.

Christie's Geschäftsführer für Europa, Naher Osten, Russland und Indien ist seit 2017 einer von drei Präsidenten, die das Traditionshaus gemeinsam mit CEO Cerutti leiten. Quelle: Christie's
Dirk Boll

Christie's Geschäftsführer für Europa, Naher Osten, Russland und Indien ist seit 2017 einer von drei Präsidenten, die das Traditionshaus gemeinsam mit CEO Cerutti leiten.

(Foto: Christie's)

Der einzige starke Rückgang, den der Bilanzausschnitt ausweist, betrifft die zuletzt immer gestiegenen Privatverkäufe. Die sind 2017 um 35 Prozent rückläufig (612 Millionen Dollar). Dirk Boll ist seit 2017 einer von drei Präsidenten, die das Traditionshaus gemeinsam mit CEO Cerutti leiten. Boll verantwortet die sogenannten EMERI-Länder, Europa, Naher Osten, Russland und Indien. In einem exklusiven Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt er den Rückgang der Privatverkäufe so: „Auktions- und Privatverkäufe sind verknüpft. Beide unterliegen dem Kundenwunsch. 2016 hatten wir die extrem teuren Rembrandts an den Louvre und das Rijksmuseum verkauft, das ließ sich nicht wiederholen. 2017 hatten wir durch je eine dritte Partei zahlreiche Garantien vereinbart. Garantien sind ein Zwitter zwischen Privatverkauf mit nachfolgender Auktion.“ Garantien stärken eben die Auktionen.

Ein langes Interview mit Dirk Boll über die signifikanten Veränderungen 2017 bei Christie’s lesen Sie am 9. Februar im Kunstmarktteil des gedruckten Handelsblatts.

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