Fotozentrum Prophet im eigenen Land

Die Düsseldorfer Fotoschule ist weltweit ein Qualitätsbegriff. Doch an ihrem Ursprungsort fehlt ein Ort, der sie sichtbar macht. Das soll sich mit einem zu gründenden Fotozentrum ändern.
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Susanne Schreiber

DüsseldorfSie legen den Finger in die Wunde. Düsseldorf ist die Geburtsstätte einer weltweit angesehenen Richtung in der zeitgenössischen Fotokunst. Doch für die von den Pionieren Hilla und Bernd Becher zwischen 1976 und 1999 ausgebildeten Vertreter der sogenannten Düsseldorfer Photoschule gibt es keinen Ort in dieser Stadt, der ihre Werke sammelt, ausstellt, erforscht und in den Kontext stellt. Allenfalls sah man hier zuletzt Retrospektiven der bekanntesten Vertreter der Düsseldorfer Fotoklasse. Weder die Kunstsammlung NRW noch das Museum Kunstpalast haben bislang eine eigene Foto-Abteilung. Noch gilt der Prophet nichts im eigenen Land. Aber das soll sich ändern.

Ein Entwurf von Meyer Architekten, der die Diskussion anregen und Stadtreparatur leisten will. Quelle: Projektschmiede
Fotozentrum Düsseldorf

Ein Entwurf von Meyer Architekten, der die Diskussion anregen und Stadtreparatur leisten will.

(Foto: Projektschmiede)

An dem Defizit setzt die Projektschmiede www.projektschmiede.gmbhan und konzipiert ein Fotozentrum Düsseldorf. Nicht nur als zu diskutierende Idee, sondern gleich sehr konkret mit einem Ortsvorschlag am Ehrenhof – gegenüber vom NRW-Forum, dort wo jetzt der Betriebshof des Gartenamtes ist. Und weil die Projetschmiede von dem Kulturmanager Hagen Lippe-Weißenfeld und dem Architekten Jan Hinnerk Meyer unterhalten wird, liefert Meyer gleich eine Visualisierung mit, wie so ein künftiges Medienhaus aussehen könnte. „Das Fotozentrum Düsseldorf soll als einmaliges Kompetenzzentrum die herausragende internationale Bedeutung der Stadt für die Fotografie international sichtbar machen.“

Im Gespräch mit dem Handelsblatt machen die beiden Initiatoren klar, dass es nicht um die Realisierung dieses schon recht ausgereiften Neubau-Gedankens gehe, sondern um den Anstoß zu einer längst überfälligen Institution. In das Fotozentrum Düsseldorf könnten dann Stiftungen fließen oder Kooperationen entstehen, etwa mit dem nach wie vor bestehenden Atelier im Becher-Haus in Düsseldorf-Kaiserswerth. Die Stiftung Fotozentrum Düsseldorf sollte, so Lippe-Weißenfeld, von Stadt und Land gleichermaßen getragen werden und „ihr Stiftungskapital im Wesentlichen aus den Zustiftungen der Becher-Schüler und weiterer Künstler speisen“. Optimistisch zeigt sich Weißenfeld bei der Finanzierung, weil er von Drittmitteln ausgeht.

Überein  Open-Air-Kino und einen Mediascreen würde man auch den Film einbeziehen können. Quelle: Projektschmiede
Entwurf für ein Fotozentrum Düsseldorf

Überein Open-Air-Kino und einen Mediascreen würde man auch den Film einbeziehen können.

(Foto: Projektschmiede)

Während des Duesseldorf Photo Weekend (16. bis 18.2.2018) findet an diesem Samstag eine erste öffentliche Präsentation statt: 17. Februar im Malkasten, 14 bis 16 Uhr. Viele Aspekte harren der Klärung:

• Ist eine eigenständige Institution sinnvoller, wie von der Projektschmiede vorgeschlagen, oder kann sie auch als An-Institut an eines der großen Museen (Museum Kunstplast, Kunstsammlung NRW) gedacht werden? Letzteres hätte den Charme der bestehenden Infrastruktur und der Nachhaltigkeit.

• Was sind Beitrag und Leistung der Fotografinnen und Fotografen? Bringen sie sich mit mehr ein als mit Spenden und Geschenken?

• Wer entscheidet über Programm und Aufgaben des Fotozentrums?

• An welche der rund vierzig von den Bechers ausgebildeten Schülerinnen und Schüler ist gedacht? An alle, oder nur an die, die auch eine Galerie hinter sich haben? Irritierenderweise listet ein Handout nur sechzehn Namen von Künstlerinnen und Künstlern auf - der marktbekannte Kern um den Nukleus der „Struffskys“.

• Soll die Einrichtung eine museale, bewahrende sein, oder eine kommerzielle, die ggf. auch einen Nachlass, Vorlass oder eine Zustiftung vermarktet?

• Wenn das Fotozentrum der Stadt Düsseldorf bei der Profilierung als Fotostadt helfen soll, wo sind die Grenzen zu deren Marketing und Branding?

Mit der Präsentation im Malkasten kommt ein Stein ins Rollen. Alle Kräfte sind aufgerufen, die besten Ideen zu bündeln und weiter zu treiben bis zur Realisierung.

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