Galerie Paffrath Schubkraft der Dynastien

Die Galerie Paffrath feiert 150 Jahre Bestehen mit Ausstellung und Katalog. Kunden alteingesessener Kunsthändlerdynastien haben den Vorteil weit gespannter Netzwerke und großer Datentiefe im Firmenarchiv.
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Susanne Schreiber

DüsseldorfJohann Baptist Paffrath (1812-1880) war Schreiner in Düsseldorf und baute die Transportkisten für aufstrebende Maler der damals schon weltberühmten Düsseldorfer Kunstakademie. Deren Absolventen stammten u.a. aus den USA, aus Russland oder dem Baltikum. Der Tischlermeister sah, was beim Export über die Ladentheke ging, erzählt Hans Paffrath, Firmeneigner der Galerie Paffrath in fünfter Generation im Katalog-Interview. „Und hat mitbekommen, dass das ein ganz schön lukratives Geschäft ist“. 1867 startete der Düsseldorfer Handwerker nebenbei den Handel mit den Werken der Düsseldorfer Malerschule. Schon die nächste Generation setzte ganz auf die Kunst, verkaufte regelmäßig Werke der Brüder Achenbach und verlegte den Firmensitz vom Malkasten an die edle Königsallee 46.

Für das Ölgemälde veranschlagt Hans Paffrath 185.000 Euro. Quelle: Galerie Paffrath
Oswald Achenbach „Campagna“ (1895)

Für das Ölgemälde veranschlagt Hans Paffrath 185.000 Euro.

(Foto: Galerie Paffrath)

Noch heute ist das die Adresse der Galerie, noch heute sind die Achenbachs eine der Säulen, auf denen das Geschäft beruht. Aber eben nicht mehr ausschließlich. In der Jubiläumsausstellung hat Hans Paffrath den Protagonisten der Düsseldorfer Malerschule, Andreas und Oswald Achenbach, einen Schwerpunkt gewidmet. Tradition ist schließlich ideell und kommerziell eine wichtige Tugend in Familienunternehmen, schafft sie doch Vertrauen und Bindung der Kunden. Auch die Preyers bekommen eine ganze Wand gewidmet, Paffrath hat die Oeuvres von Vater Johann W. und Tochter Emilie Preyer vorbildlich erschlossen.

Ein Künstler der Moderne wie Cavaillès erfreut sich bei der Galerie Paffrath wachsender Nachfrage. Für das Ölbild werden 29.000 Euro erwartet. Quelle: Galerie Paffrath; VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Jules Cavaillès „Harmonie in Rot“

Ein Künstler der Moderne wie Cavaillès erfreut sich bei der Galerie Paffrath wachsender Nachfrage. Für das Ölbild werden 29.000 Euro erwartet.

(Foto: Galerie Paffrath; VG Bild-Kunst, Bonn 2017)

Doch die Hinwendung zu den stimmungsvollen Landschaftsbildern des Dänen Peder Mönsted, war die Entscheidung von Hans Paffrath, der 1987 von seinem Vater übernahm. Und auch die Erweiterung in die Malerei des Impressionismus und Expressionismus hinein, verantwortet der 58-jährige Düsseldorfer. Nicht alle in diesem Segment angebotenen Namen kennt man, doch die Frische dieser Werke der Moderne und ihre noch erschwinglichen Preise haben zu steigender Nachfrage von Künstlern wie Jules Cavaillès und Jean Edelmann geführt. Seit zwanzig Jahren hat Paffrath zur Prachtadresse auch eine Internetpräsenz. Jüngst wurde sie ausgebaut, denn schließlich gilt es, „jeden Tag ein Bild zu verkaufen oder mehr“.

In Deutschland gibt es in Handel und Auktionswesen mehrere Dynastien. Deren Kinder wachsen wie bei den Paffraths im Geschäft auf, kennen die Usancen der Branche von klein auf, haben Zugriff auf weit zurückreichende Archive und Daten. Das hauseigene Netzwerk aus Käufern, Verkäufern, Museumsmitarbeitern, Restauratoren und Beamten ist dicht geknüpft. So mancher Coup verdankt sich jahrzehntealten Verbindungen.

Bei Bernheimer hat sich die fünfte Generation, Isabel und Blanca, vom Altmeisterhandel des Vaters abgewandt und sich auf zeitgenössische und bzw. Fotografie spezialisiert. Im gleichen Metier, der Versteigerung, bleiben hingegen Alice Jay von Seldeneck und Isabel Apiarius-Hanstein, die Töchter von Lempertz-Chef Henrik Hanstein, treu. Sie stellen die sechste Generation dar in der langen Firmengeschichte, die sich immer um Bücher und Kunst drehte und dreht; auch wenn es die dritte Generation ist, wie bei Petra und Ole-Christian Koch von der Galerie Koch in Hannover oder die zweite wie bei Marcus Eisenbeis, dem Chef von Van Ham. Der Kölner übernahm 1996 das Auktionshaus am Museum von seiner Mutter Carola van Ham, die es 1959 gegründet hatte. Gewachsene Strukturen ermöglichen den Sprösslingen solcher Dynastien eine vertiefte Durchdringung sämtlicher Geschäftsfelder.

Ganz zu schweigen von der frühen Augenschulung. Hans Paffrath führt im Katalog aus, dass er schon als Steppke vom Vater Hans-Georg Paffrath (1922-2013) nach der Qualität von Bildern gefragt wurde, die zum Erwerb standen. Eines jedoch hat Hans Paffrath, der Kunsthistoriker, definitiv anders gemacht als sein Vater. Er geht gern auf Kunden zu und liebt es, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

150 Jahre Galerie Paffrath. Hrsg. Hans Paffrath, Düsseldorf 2017, ISBN 978-3-7700-6022-1, 156 Seiten, 50 Euro

Die gleichnamige Ausstellung läuft bis zum 11. November 2017, Mo. bis Fr. 10 bis 18 , Sa. 10 bis 16 Uhr.

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