Global Art Market Report 2017
Lobgesang auf die Stärken des Handels

Rachel Pownall hat den Global Art Market Report 2017 der Tefaf verfasst. Sie gibt das weltweite Volumen von Kunsttransaktionen mit 45 Milliarden Dollar an. Wichtigster Trend: Sammler ziehen anonyme Privatverkäufe öffentlichen Versteigerungen vor.
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DüsseldorfGlobale Kunstmarktzahlen zusammenzustellen, ist ziemlich schwierig. Nicht nur, dass eigentümergeführte Kleinunternehmen wie Galerien mit wenigen Mitarbeitern ihren Umsatz nicht freiwillig preisgeben. Und was dringt aus heimlichen Geschäften in Freeports nach außen? Auch bei den großen Auktionshäusern gibt es einige Graubereiche, die für gehörige Unschärfe sorgen. So geben beispielsweise chinesische Versteigerer zwar gern Zuschläge und Rekorde an, korrigieren diese aber nicht, wenn die Bezahlung am Ende ausbleibt.

Über die Jahre hinweg war in diesem Zahlendschungel der Global Art Market Report der Tefaf (The European Fine Art Foundation) eines der wenigen halbwegs verlässlichen Instrumente, an dem sich immerhin Trends und Tendenzen ablesen ließen. Wie immer wurde die neueste Ausgabe mit den Zahlen von 2016 kurz vor Eröffnung der Tefaf-Messe in Maastricht (10. bis 19. März) veröffentlicht. Doch nicht mehr unter Federführung von Clare McAndrew. Die Irin verließ die Tefaf 2016 in Richtung Art Basel.

In die Bresche gesprungen ist Professor Rachel Pownall von der Universität Maastricht. Dort hat sie in der School of Business Economics den Tefaf-Lehrstuhl für Kunstmarkt inne. Zugleich lehrt die junge Wissenschaftlerin “Art Finance and Museum Management” an der TIAS School for Business and Society in the Netherlands. Rachel Pownalls Interesse gilt dem Verhalten von Investoren. Mit Hilfe der Neurowissenschaften und Psychologie beackert sie auch die junge Disziplin der Neurofinanzwissenschaft. Händler-Daten erhob die Universität von Maastricht, die Zahlen zu den Auktionshäusern lieferte in bewährter Manier Artnet.

Stabiler Markt

In einer Zeit, die von politischen wie ökonomischen Turbulenzen und von Terrorangst geprägt ist, kommen die positiven Signale des 220 Seiten starken 2017er-Market Reports gerade recht. Noch ist nicht ausgemacht, dass alle erwarteten zahlungskräftigen Privatsammler aus den USA die Reise ins Dreiländereck Maastricht tatsächlich antreten. Dass der Kunstmarkt insgesamt als robust beschrieben wird, dass viele Verkäufer den Privatverkauf der Versteigerung vorziehen und dass aus Europa mehr als die Hälfte aller Händler weltweit kommt – das alles dürfte den Auftraggebern im Tefaf-Bord wie Musik in den Ohren klingen.

Die wichtigsten Aspekte aus dem 220-Seiten-Werk sind:
• Der globale Umsatz mit Kunst wuchs um 1,7 Prozent von 2015 auf 2016 und liegt jetzt bei 45 Milliarden US-Dollar. Die Aussichten für 2017 sind gut.
• Doch die Auktionen mit Kunst, hochkaratigen Juwelen und angewandter Kunst fielen von 20,8 Milliarden Dollar (2015) auf 16,9 Milliarden Dollar. In den USA nahmen die Auktionen 2016 gleich um 41 Prozent ab, in Großbritannien um 24 Prozent, in Festlandeuropa aber stiegen sie um 3,6 Prozent. Das spiegelt deutlich wieder, dass die Auktionshäuser im Berichtszeitraum allergrößte Schwierigkeiten hatten, millionenschwere Einlieferungen zu bekommen.
• In Asien verzeichnen Auktionen nur ein leichtes Minus von 1,6 Prozent. Asiens neuer Reichtum lässt sich an dem von 31 Prozent auf 40,5 gestiegenen Marktanteil an weltweiten Auktionen ablesen.
• Pownall und ihr Team sehen eine Verlagerung weg von den Auktionsverkäufen hin zu Privatverkäufen – sei es in den gerade energisch ausgebauten Private Sale-Abteilungen von Christie’s und Sotheby’s, sei es zu Händlern und Galeristen.
• Händler und Galeristen punkten bei westlichen Kunden mit Vertrauen, Anonymität und Qualität vor den öffentlichen Auktionssälen. Unerwähnt bleibt, dass Händler ja für die Richtigkeit ihrer Angaben haften, Auktionshäuser aber nicht. Pownalls Berechnungen zufolge ist der europäische Händlermarkt seit 2015 um 20 Prozent gewachsen.
• Wenig überraschend bei dem Auftraggeber Tefaf: Kunst- und Antiquitätenmessen sind wichtig für alle Händler und Galeristen. Denn sie schaffen Begegnungen mit neuen Kunden.
• Der Online-Markt wächst weiter, aber nur im unteren Preissegment.

Der Tefaf-Report ist zu erwerben auf der Kunst- und Antiquitätenmesse Tefaf. Sie findet vom 10. bis 19. März 2017 im MECC in Maastricht Randwyck statt. Täglich 11 bis 19 Uhr (19. März bis 18 Uhr)

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