Highlights Internationale Kunstmesse München
Handel und Wandel

Kunsthändler müssen ausstellen, was der Markt verlangt. Darum haben sich die „Highlights“ für die Lieblinge des 20. Jahrhunderts geöffnet – und doch den anspruchsvollen Namen behalten. Er ist schließlich die Werbebotschaft.
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DüsseldorfNoblesse oblige, heißt es – ein feiner Name verpflichtet zu Extraanstrengungen. Die Highlights Internationale Kunstmesse München zielen im Namen auf das Allerbeste, auf die erste Liga. Das verrät schon ihr Spielort. Für die fünftägige Messe (bis 29.10.) wird ein Schlosshof der Münchener Residenz elegant überbaut. Die Präsentation der Kunstwerke ist erlesen. Sie stammt vom niederländischen Designer Tom Postma, der auch den Look der Tefaf kreiert.

Wie bekannt, hat sich aber eine ganze Reihe von Highlightsgründern und –Ausstellern inzwischen anders orientiert. Nicht mehr in der Residenz dabei sind die Bernheimers, Arnoldi-Livie, Daxer & Marschall, Julius Böhler, Röbbig, Rudigier sowie Georg Laue und Sascha Mehringer. Besondere Kunstwerke, die durch Ausführung und Ausstrahlung, Herkunft und Alter beanspruchen können, rare Höhepunkte in ihrer Gattungsgeschichte zu sein, werden nun woanders präsentiert. Die Spezialisten fürs Beste des 19. Jahrhunderts, für alte Skulptur, fürstliches Porzellan und kostbare Kunst- und Wunderkammerstücke stellen ihre Highlights zurzeit auf der Tefaf Fall in New York aus.

In Manhattan kommen Kunden zur Tefaf zum Kaufen, nicht nur zum Schauen. Gerade die historischen Künste finden beim altem Geld, wo Bildung auf Finanzkraft trifft, eine dankbare Klientel. Dazu kommt, dass in den USA die Ausgaben für Kunst generell höher liegen als bei uns. Die Kunst einer Messe besteht nun darin, das anzubieten, was der jeweilige Markt erwerben möchte. Zu rar, zu teuer, zu elitär und zu aufwendig verpackt durch Stände, die schöner scheinen als so manches Wohnzimmer – das alles hat in München nicht funktioniert.

Drum hat sich die Highlights-Messe gewandelt, neue Mitstreiter gesucht und den Schwerpunkt ins 20. Jahrhundert verschoben, hin zu Kunst mit Wiedererkennungswert, zu Kunst, die man nicht nur als Connaisseur versteht. Qualität muss nicht immer viel kosten. Der ambitionierte Name ist noch der alte, die Definition von „Höhepunkt“ aber eine andere. Die in der Residenz ausgestellten Highlights sind jetzt vielfach auch finanziell erreichbare Kunstwerke. Der Messeflaneur von heute weiß das zu schätzen. Der Markt hat immer Recht.

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