Journal for Art Market Studies
Wer bestimmt, was angesagt ist?

Der Kunstmarkt lebte und lebt von Moden und Geschmacksdiktaten. Wie Nachfragewellen aussehen und wie sie gesteuert werden, untersucht das neue Online-Journal „Jams“ der TU Berlin.
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DüsseldorfDie Kunstgeschichte betrieb den größten Teil ihrer akademischen Existenz Herrschaftsgeschichte, kennerschaftliche Zuschreibungsdiskussion in der Stilgeschichte oder erging sich in ikonographischen Studien. Mit der Geschmacksgeschichte und damit verbunden mit der Kunstmarkthistorie befasst sie sich erst seit geraumer Zeit. Unvergessen sind die vor Jahrzehnten vorgelegten sozialgeschichtlichen Untersuchungen des Briten Francis Haskell (1928-2000). Diesem Pionier auf dem Feld der Tastemaker verdankt neben anderen auch der Geschäftsführer des Berliner Auktionshauses Villa Grisebach, Florian Illies, Anregung.

Diese Woche betrat ein neuer Mitspieler die Bühne der Kunstmarktforschung. Das Forum Kunst und Markt/ Center for Art Market Studies an der Technischen Universität Berlin launchte die englischsprachige Zeitschrift „Journal for Art Market Studies“ (Jams) im Open Access-Format. Ausgangspunkt für die Themenhefte sind hauptsächlich aber nicht ausschließlich die Konferenzen, Workshops und Vorlesungen, mit denen sich die Initiatoren Bénédicte Savoy, Johannes Nathan und Dorothee Wimmer an die Öffentlichkeit wenden.

„Unsere Hauptzielgruppe liegt zwar im akademischen Bereich, bei Experten für Kunstgeschichte und bei Akteuren auf dem Kunstmarkt“, sagt Susanne Meyer-Abich, die leitende Redakteurin des Open-Access-Journals in der Pressemitteilung. „Aber auch für interessierte Laien ist es sehr aufschlussreich und sogar vergnüglich zu lesen, wie sich oftmals die Strategien der Beschaffung und Veräußerung auf dem internationalen Kunstmarkt von gestern und heute gleichen.“

Volume 1 von Jams konzentriert sich auf die Frage „The Pricing of Art: Makers – Markets – Museums“. Die zweite Ausgabe soll sich um „Theories of the Art Market“ drehen. Bravo! Hier bekommt die akademische Kunstmarkt-Forschung ein Sprachrohr, das online und englisch die größtmögliche Leserschaft erreicht.

Die Beiträge zur Preisfindung starten mit dem Verkaufstalent Albrecht Dürer und enden mit soziologischen Untersuchungen auf der Art Basel. Anja Grebe schreibt über “Marketing favours: Formal and informal criteria for pricing Albrecht Dürer‘s works between 1500 and 1650”. Bénédicte Savoy widmet sich den "Invaluable Masterpieces: The Price of Art at the Musée Napoléon”. Lukas Fuchsgruber hat das damals führende Auktionshaus in Paris untersucht: “The Hôtel Drouot as the stock exchange for art.  Financialization of art auctions in the nineteenth century”. Kim Oosterlinck und Jeroen Euwe haben die Preisfindung im Zweiten Weltkrieg ermittelt: “Art Price Economics in the Netherlands during World War II”. Franz Schultheis nennt seinen Beitrag “On the price of priceless goods. Sociological Observations on and around Art Basel.”

Seite 1:

Wer bestimmt, was angesagt ist?

Seite 2:

Forschungsarbeit am ZADIK in Köln

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