Museum Barberini
Welche Bilder gehören Hasso Plattner?

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Vorsicht beim Umgang mit Privatbesitz

Warum sollte ein anderer Privatsammler als Hasso Plattner den juwelhaft leuchtenden Munch so kurz nach dem siegreichen Erwerb für viele Monate ausleihen? Wir können die Frage nicht beantworten, aber es gibt Indizien, warum Hasso Plattner der Leihgeber sein könnte. Ob sie schlüssig sind, werden wir erst wissen, wenn besagte Gemälde mehrfach in den Potsdamer Ausstellungen aufgetaucht sind.
Das prominent platzierte Gemälde des Norwegers Munch liegt in einer nagelneuen Serie von Postkarten mit dem Label „Museum Barberini Potsdam“ vor, die der Museumsshop vertreibt. Würde ein fremder Leihgeber hier seine Bilder vermarkten lassen – ganz ohne Hinweis auf die Stammsammlung? Wohl eher nicht. In der im Shop gut sichtbar platzierten Postkartenserie sind nicht nur Caillebottes „Brücke bei Argenteuil“ im Mitnahmeformat zu haben, sondern auch reihenweise Gemälde von Monet mit „Wallpower“.

Allen voran das unvergessliche Bild „Unter Pappeln“. Hier kombiniert Claude Monet flirrendes Licht in Pappeln und roten Klatschmohn im Feld zu einer Essenz des Sommers. Ein Hauptwerk, für das Sotheby’s am 4. November 2014 brutto 20,3 Millionen Dollar einnehmen konnte. Von Monets Venedigbild „Der Palazzo Contarini“ wissen wir, dass es am 19. Juni 2013 in London einem deutschsprachigen Bieter zugeschlagen wurde für brutto 19,7 Millionen Pfund. Was natürlich nicht heißt, dass der Sammler selbst im Saal gesessen haben muss. Er kann auch ein Auftragsbieter installiert haben.

Beim Rundgang und im Katalog treffen wir auf weitere marktbekannte Monets, u.a. etwa auf „Raureif (Le Givre)“, das bei Christie’s im Mai 2014 auf dem Block stand. Oder das Küstenbild „Petites-Dalles bei Ebbe“, in dem die Felsen im Abendrot so malerisch erglühen (Sotheby’s Mai 2016).

Wo der Sammler knurrig wird

Es gibt neben der Postkartenvermarktung und der Motivwahl für das Plakat- und Buchcover ein weiteres Indiz. Entgegen den Usancen verzichtet das 248 Seiten starke Begleitbuch „Impressionismus“ auf die Rubrik Danksagung. Und die detaillierte Pressemappe von 60 Seiten nennt für die Impressionismus-Ausstellung öffentliche Museen zwar namentlich, pauschaliert dann aber „sowie Privatsammlungen (USA, Israel, Frankreich und Deutschland).“

Wer je gehört hat, wie knurrig der Multimilliardär und Kunstsammler Hasso Plattner wird, wenn die Sprache auf das umstrittene Kulturgutschutzgesetz (KGSG) kommt, der ahnt, dass zur Bescheidenheit des Sammlers, der nicht protzen will, wahrscheinlich ein zweiter Grund hinzukommt. So lange er Behörden keine Liste von seinem Besitz in Form eines Bestandskatalogs an die Hand gibt, haben sie es schwer, ihren Kriterienkatalog in Anschlag zu bringen. Kriterien, die zu dem für Sammler wenig erstrebenswerten Status „National wertvolles Kulturgut“ führen könnten.

Als Reaktion auf das KGSG hat Plattner lediglich die Bilder, die in der DDR-Zeit entstanden waren, dem Museum übertragen. Alle anderen Exponate, die vielen Monets und die Klassiker der Moderne bleiben an seinem kalifornischen Wohnsitz beheimatet und fliegen für Ausstellungen nur als „Leihgaben aus Privatbesitz“ ein und aus.

"Museum Barberini", Alter Markt, Humboldtstraße 5-6, 14467 Potsdam, Die. geschlossen. Alle Eröffnungsausstellungen laufen bis zum 28. Mai 2017.

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