Online-Auktionen
Aus für Auctionata

Das seit Längerem ins Strudeln geratene Start-up Auctionata ist insolvent und stellt den Auktionsbetrieb ein. Die Betreiber der Online-Plattform haben den Kunstmarkt offenbar falsch eingeschätzt.
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DüsseldorfDie Kunstmarkt-Nachricht der Woche ist - jenseits von Millionenzuschlägen aus dem kauffreudigen London - die Insolvenz der Auctionata Paddle8 AG. Das Berliner Start-Up war einst angetreten, den Kunstmarkt im Netz und durch das Netz zu revolutionieren, gar Luxusobjekte live online an den Mann oder die Frau zu bringen. Doch auch nach dem (zu) teuren Zukauf von Paddle8 war dem hoffnungsvoll gestarteten Unternehmen kein wirtschaftlich sinnvolles Agieren möglich.

Viel Risikokapital wurde da verbrannt. „Die Auctionata Paddle8 AG wird nach dem vorläufigen Insolvenzverfahren den Betrieb der deutschen Muttergesellschaft aufgeben, da kein Investor für eine Fortführung gefunden werden konnte,“ heißt es in einer knapp gehaltenen Mitteilung des vorläufigen Insolvenzverwalters Christian Graf Brockdorff (BBL Bernsau Brockdorff), einem ausgewiesenen Spezialisten für Insolvenzrecht.

Zu wenig glamourös

Der Betrieb wird derzeit stillgelegt. Von 170 Mitarbeitern wickeln 35 Auctionata jetzt noch auf unbestimmte Zeit ab. Die massiven Personaleinsparungen, der Rückzug von Gründer Alexander Zacke im Sommer 2016 und der Antritt von Thomas Hesse als CEO im Herbst 2016 haben die Firma nicht mehr aus ihrer Schieflage befreien können. Brockdorff ist voll des Lobes für die „engagierte Arbeit des Sanierungs-Vorstands Thomas Hesse, dem es gelungen ist, die verlustbringenden Töchter Paddle8 in den USA und Value-my-Stuff in Großbritannien zu veräußern und deren Fortbestand zu sichern.“ Auf Nachfrage, wer die Käufer seien, wurde dem Handelsblatt lediglich mitgeteilt, dass beide Seiten dazu Stillschweigen vereinbart hätten. Das Team um Graf Brockdorff prüft gegenwärtig noch Möglichkeiten der Veräußerung von erhaltenswerten Betriebsteilen in Deutschland.
Warum aber ging das ehrgeizige Unternehmen Auctionata unter? Warum fand sich jetzt kein Investor mehr, der „die notwendige Finanzierung für die insolvente deutsche Gesellschaft in ausreichendem Umfang“ bereitgestellt hätte, wie Brockdorff schreibt.
Auctionata ist als Tiger gestartet und als Bettvorleger gelandet, mag so mancher Marktbeobachter denken, der sich an die vollmundigen Selbstbeschreibungen der Zacke-Ära noch erinnert. Der einer Wiener Kunsthändlerfamilie entstammende Alexander Zacke war nach Jahren in Österreichs Hauptstadt, die ihm viele Schlagzeilen beschert hatten, nach Berlin gegangen, um 2012 Auctionata zu gründen.

Neben anspruchsvollen Einlieferungen, um die alle Mitbewerber buhlen, ist das wichtigste Gut im Kunstmarkt Vertrauen. Vertrauen in einen Händler oder einen Auktionator, dessen Geschichte und Gebaren, in seine Seriosität, die Zukunftsfähigkeit eines Sammelgebietes und die Echtheit der Objekte. In der aktuellen Laune des Marktes schenken onlineaffine Kunstfreude offenbar eher jenen Häusern ihr Vertrauen, die ein stationäres Auktionsgeschäft mit klassischen Versteigerungen im Saal mit Livebietern und Telefonbietern mit lässigen Online-Auktionen kombinieren – für die meist eher günstige Ware. Für Luxusobjekte aber sind diese zeitbasierten Bildschirmkäufe viel zu wenig glamourös. Da wurde der konservative Kunstmarkt offenbar falsch eingeschätzt (Vgl. Handelsblatt v. 12.2.2017 und online).

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