Rheingold
Ein Mythos wird versteigert

Van Ham bringt den Rheingold-Anteil von Helge Achenbach unter den Hammer. Die 70 Werke aus der privaten Kunstsammlung mit dem klingenden Namen sind moderat auf 800.000 Euro taxiert.
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DüsseldorfDie gemeinschaftliche Kunstsammlung sollte ein best practice-Modell sein. Ihr schillernd vieldeutiger Name Rheingold verhieß zunächst Anspruch, Kultur und regionale Verwurzelung. Inzwischen steht er für Bankrott, Betrug und Pleite. Im Herbst werden die Rheingold-Anteile von Helge Achenbach bei Van Ham versteigert. Der Kunstberater Achenbach wurde 2014 festgenommen, genießt aber mittlerweile den Freigang. 2015 wurde er zu sechs Jahren Haft und einem Schadenersatz von 19,4 Millionen Euro allein an die Erben von Berthold Albrecht verurteilt. Er hatte bei Topkunden in 18 Fällen verdeckte Aufschläge genommen.

Als Helge Achenbach, 2002 noch eloquenter Kunstvermittler von einiger Überzeugungskraft, die private Kunstsammlung Rheingold an den Start brachte, hatte er namhafte, finanzkräftige Mitsammler für Rheingold gewonnen. Rheingold-Eigner waren neben Achenbach selbst die vier Viehof-Brüder aus Mönchengladbach sowie Hedda Im Brahm-Droege und ihr Mann aus Düsseldorf. Doch als Helge Achenbach festgenommen worden war und sein System der Selbstbevorteilung bekannt wurde, endete die Freude am gemeinsamen Sammeln. Die Viehof-Brüder stellten 2014 Strafanzeige und betreiben seitdem ihre Sammlung unter eigenem Namen. Im Brahm-Droege ist ebenfalls ausgestiegen.

Streicheleinheiten für Museen

Ursprünglich ging es nicht nur um den bekennerhaften Erwerb von zeitgenössischen Werken aus dem Rheinland. Nein, nicht an schnöden Wertzuwachs sollte das Publikum denken, sondern an mäzenatische Gesten. Drum wurden clever die Direktor_innen der Museen Ludwig in Köln, Abteiberg in Mönchengladbach, dem Museum für Gegenwartskunst in Siegen, Kunsthalle und Kunstpalast, beide in Düsseldorf, zum Vorteil beider Seiten eingebunden.

Diese Woche kündigte der Kölner Versteigerer Van Ham an, dass es sich auch die attraktive Tranche aus dem Rheingold-Anteil des verurteilten Art Consultants Achenbach hat sichern können. Am 6. Dezember kommen in Köln 70 Arbeiten zum Aufruf. Das teuerste Werk dürfte u.a. ein unikater Freischwimmer von Wolfgang Tillmans sein. Mit 100.000 bis 150.000 Euro ist er moderat geschätzt in Anbetracht des jüngsten Rekordpreises von über 600.000 Pfund bei Phillips für eine frühe Abstraktion derselben Werkreihe (s. Handelsblatt vom 7. Juli 2017).

Ein Ölbild von Tal R, „Riders in the Sky“, ist auf 25.000 bis 35.000 Euro taxiert. Eine unbetitelte kleine Figuration von Daniel Richter ist für 12.000 bis 18.000 Euro ausgeschrieben.Neben Arbeiten von Knoebel, Meese, Meuser, Schinwald, Struth, Streuli und Höfer werden auch Werke von Armin Boehm, André Butzer und Hansjörg Dobliar aufgerufen. Die untere, bewusst konsumfreundlich gehaltene Schätzung liegt bei 800.000 Euro.

Wer erhält nach Abzug der Versteigerungs-Kosten den Erlös? Achenbachs Insolvenzverwalter oder die Albrecht-Erben? Die Frage ließ eine Sprecherin mit Verweis auf die Ferien der Anwälte unbeantwortet. Mit insgesamt vier Achenbach-Auktionen hatte Van Ham 2015/16 ein Gesamtergebnis von 11,6 Millionen Euro einfahren können.

Die schillernde Society-Gestalt Achenbach hatte Van Ham nach entsprechendem Marketing zu viel Aufmerksamkeit auch jenseits der üblichen kunstaffinen Kreise verholfen. Diesmal geht es um Achenbachs mythenbeladenen Rheingold-Schatz. Wie bei Richard Wagners gleichnamiger Oper hat sich das Rheingold nicht dauerhaft zum Ausbau von Macht und Glück geeignet.

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