Schloss Ahlden
Erinnerungen an Helmut Schmidt

Das Kunstauktionshaus Schloss Ahlden versteigert über 2300 Werke. Darunter Silber- und Golfschmiedearbeiten, Porzellan, Gemälde alter und jüngerer Meister aus prominentem und weniger prominentem Besitz.
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DüsseldorfWer Überraschungen liebt, sucht hier. Auktionen in Deutschland sind Fundgruben, ganz besonders dann, wenn sie wie das Kunstauktionshaus Schloss Ahlden viele verschiedene Sammelgebiete anbieten. In den Versteigerungen am 2. und 3. September 2017 kommen zwei Werke aus dem Nachlass von Ruth Loah, der Lebensgefährtin von Helmut Schmidt (1918-2015), zum Aufruf.

Gewichtig, golden und schwer staatstragend ist eine Zigarettenschatulle, die der ehemalige Bundespräsident Walter Scheel, dem rauchenden Bundeskanzler 1978 zum 60. Geburtstag geschenkt hatte – quasi in offizieller Mission. Oben auf prangt der Bundesadler als Relief, in den Ecken vier Amethyste. „Einigkeit“, „Recht“ und „Freiheit“ sind als Zitate aus der Nationalhymne an den Wandungen eingraviert. Eindeutig ein Werk, das den Staatsmann ehren soll mit überzeitlicher Pracht.

Der Deckel trägt innen die Widmung von Walter Scheel. Hergestellt hat das Staatsgeschenk der Obermeister der Düsseldorfer Gold- und Silberschmiedeinnung, Paul Günter Hartkopf. Der Schätzpreis liegt bei 26.500 Euro. Leicht kommt dagegen eine Zeichnung des bereits 90-jährigen Oskar Kokoschka von Helmut Schmidt daher.

Der Bundeskanzler liebte die Malerei, besonders die Expressionisten, er sammelte selbst. Kokoschka verehrte Schmidt besonders und besuchte ihn 1976 am Genfer See. Es entstand die jetzt auf 14.500 Euro taxierte Zeichnung als Brustbild. Schmidt meinte weniger sich selbst, als vielmehr den Künstler als jüngeren Mann darin zu erkennen. In diesem Sinne äußerte er sich in seinem Erinnerungsbuch von 1996. Aber je länger man hinschaut, desto besser erkennt man auch „Schmidt Schnauze“.

Edle Tafelzier

Über 2300 Positionen kommen in Schloss Ahlden zum Aufruf. Darunter sind in der Silberofferte einige schöne Paare von Tafelleuchtern des Biedermeier. Die beiden Kerzenhalter des Meisters Ludwig A.C. Baltzer aus Münster haben einen originellen Fuß aus je drei stilisierten Tierleibern, die den glatten Balusterschaft tragen (2.300 Euro). Etwas früher entstanden die beiden Berliner Empire-Leuchter mit kanneliertem Schaft, für die 2.400 Euro erwartet werden. Mit solch edlen Kerzenhaltern verwandelt sich ein Tisch im Handumdrehen in eine Tafel.

Wer den Vergleich mit antiken Kaisern sucht, stößt auf einen großen Kugelfuß-Deckelbecher des Meisters Balthasar Lauch, Leipzig, um 1675. Den barocken Becher zieren die reliefierten Porträts römischer Imperatoren Caesar, Tiberius und Octavius (4.800 Euro).

Breit gefächert ist auch das Porzellan-Segment. Hier fallen u.a. die beiden Mohrenfiguren neben Deckelschalen auf. Entstanden in Meissen um 1740 gehen die dunkelhäutige Frau und der federgeschmückte Mann auf Entwürfe von Johann Joachim Kaendler und Johann Friedrich Eberlein zurück. Die formschönen Gegenstücke suchen einen Liebhaber, der 12.500 Euro investieren kann. Die Angebotsfülle ist groß, das Blättern oder Scrollen lohnt sich auch bei Alten und neueren Meistern. Wenn sich in dem einen Suchraster nichts hängen bleibt, dann vielleicht in einem anderen.

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