Sotheby's Bilanz
Zahlenzauber und seine Interpretation

Sotheby’s Umsatz steigt, aber der Gewinn sinkt. Ursache sind Investitionen in Technologie, Digitalmarketing, den Einkauf von Expertenwissen und Boni. Christie’s feiert sich als Branchenführer.
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DüsseldorfDas börsennotierte Unternehmen Sotheby’s legte vergangene Woche seine Quartals- und Halbjahreszahlen vor. Die sahen nur zum Teil rosig aus. Denn im zweiten Quartal lag der Nettogewinn nur mehr bei 76,9 Millionen Dollar, das sind 14 Prozent weniger als im Vorjahrszeitraum (89 Millionen). Die Gründe: Die Kosten stiegen um 20 Prozent für Technologie, Digitalmarketing, den Einkauf von Expertenwissen und Boni für die nach dem Revirement verbliebenen Angestellten. Auch die Sotheby’s Aktie fiel wegen des Aktienrückkaufprogramms um 6 Prozent von1,52 auf 1,43 Dollar.

Der Quartalsumsatz allerdings stieg zwischen April und Juni um 5 Prozent an, von 298,7 auf 314,9 Millionen Dollar. Wir alle erinnern uns noch an die Versteigerung im Mai von Jean-Michel Basquiats Totenkopfgemälde für 110,5 Millionen Dollar an den E-Commerce-Magnaten Yusaku Maezawa. Doch die Weltrekordpreise sind meist teuer erkauft, denn dem Einlieferer werden wegen des harten Konkurrenzkampfes Superkonditionen eingeräumt (kein Verkäufergeld, Anteile am Käuferaufgeld etc.). Dem stehen hohe Marketingkosten für die Welttournee des Topobjekts gegenüber. Der Gewinn an Prestige könnte hier höher liegen als der reale Gewinn.

Sotheby‘s Konzernumsatz stieg 2017 leicht um 4 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar. Zu den von Chief Executive Officer Tad Smith gern veröffentlichten Zahlen gehören auch der wachsende Anteil an Privatverkäufen. Der Umsatz kletterte in dieser verschwiegenen Abteilung um 34 Prozent auf 333,8 Millionen Dollar, die Zahl der Transaktionen erhöhte sogar um 52 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2016. Die Zahl der Online-only-Sales, die erst 2016 eingeführt worden waren, hat sich verdoppelt. Diese E-Verkaufsplattformen bringen Sotheby’s 45 Prozent von den so begehrten Neukunden. Viele positive Zahlen ummänteln also den mageren Gewinn.

Christie’s hat die Nase als Branchenführer vorn. Das Versteigerungshaus gehört zum Luxus-Imperium von François Pinault und veröffentlichte bereits im Juli seinen Halbjahresumsatz von 3 Milliarden Dollar. Auktionen spielten da 2,8 Milliarden Dollar ein, ein Plus von 14 Prozent Zuwachs zum Vorjahr. Die Kunden aus Asien gaben 39 Prozent mehr aus, 38 Prozent die Nord- und Südamerikaner und 9 Prozent die Kunden aus den EMERI-Ländern (Europa, Naher Osten, Russland, Indien).
Die Privatverkäufe summierten sich auf überschaubare 155,4 Millionen Dollar. Christie’s konnte mit verschiedenen Typen von Online-Auktionen immerhin 95,8 Millionen Dollar umsetzen. Große Erwartungen hat Guillaume Cerutti, CEO von Christie’s, an den Nachlass von David Rockefeller, der im Frühjahr im Alter von 101 Jahren gestorben war. Über 2000 persönliche Objekte aus dem Besitz des Enkels von Ölbaron John D. Rockefeller senior sollen im Frühling 2018 in verschiedenen Kategorien zum Aufruf gelangen. Ein Dutzend Wohltätigkeits-Organisationen werden davon profitieren.

Ob das kürzere, zweite Halbjahr 2017 gut laufen wird, oder für die Jahresbilanz eher enttäuschend - in sechs Monaten werden die Marketingexperten der Versteigerer so lange nach Vergleichszahlen suchen, bis das Ergebnis hübsch aussieht.

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