Asia Week
Altchinesisches triumphiert

Mit einem schmalen Angebot starten die New Yorker Auktionshäuser Christie's und Sotheby's in die Asia Week. Doch weil etliche wohlhabende Chinesen ehrwürdige, asiatische Kunst zurückkaufen, steigen die Einnahmen auf ein erstaunlich hohes Niveau. Besonders altchinesische Kunst ist derzeit gefragt wie nie.

NEW YORK. Zur Asia Week warteten Christie’s und vor allem Sotheby’s mit einem stark herabgeschmolzenen Angebot auf. Zeitgenossen waren bei beiden Häusern kaum vertreten. Sotheby’s bietet neue fernöstliche Kunst nur noch in Hongkong und moderne sowie aktuelle indische Kunst hauptsächlich in London an. Aber Altchinesisches triumphierte in New York.

Chinesischer Repatriierungseifer spielte leicht Christie’s Höchsterwartungen von 17 Mio. Dollar an die Wand und steuerte 29,2 Mio. Dollar zu den Einnahmen des Hauses von 36,4 Mio. Dollar bei. Größte internationale Aufmerkamkeit war 199 Gemälden, Jade- und Porzellanobjekten, Bronzen, Skulpturen und Möbeln aus Arthur M. Sackler Collections Trust, einem Arm der weitverzweigten Familienstiftung, gewiss. Arthur Sackler hatte die größte Sammlung chinesischer Kunst zusammengetragen und ganze Museen ausgestattet. Auch die Forschungseinrichtung Museum of Art & Archeology at Beijing University trägt seinen Namen.

Asiatische Käufer, die am 18. März bei Christie’s über 95 Prozent des Saalpublikums stellten, legten sich mächtig ins Zeug. Oft beschleunigten sie ungeduldig das Verfahren. So rief jemand „100 000 Dollar“ in den Saal, als ein seltenes Paar archaistischer Jadescheiben (Qing Dynastie, Taxe 10 000 bis 15 000 Dollar) aufgerufen wurde. Asiatischer Handel zahlte schließlich 422 500 Dollar brutto. Von Ausnahmen abgesehen, war die Qualität des Angebotenen jedoch mittelmäßig. Chinesische Wiederverkäufer setzen offenbar darauf, in ihrem riesigen Markt – es gibt allein etwa 200 bis 300 Auktionshäuser – den magischen Namen versilbern zu können.

Auch Christie’s nahm 10,9 Mio. Dollar ein und sah nur einen einzigen Rückgang. An die Spitze setzte sich die seltene lebensgroße marmorne Votivstele eines Bodhisattva (Nördl. Qi-Dynastie, 550-577, Hebei-Provinz) mit Spuren von Bemalung, die bis zum Oktober ans Metropolitan Museum of Art verliehen war. 1,7 Mio. Dollar (Taxe 300 000/500 000) zahlte ein Telefonbieter gegen starke Konkurrenz im Saal. Vier große Hängerollen mit expressiv getuschten „Vögeln und Enten“ dominierten eine gemischte Gruppe von 14 Gemälden. Die ursprünglich wohl achtteilige Serie wird dem wichtigen Maler Bada Shanren (1626-1705) zugeschrieben. Per Telefon berappte ein chinesischer Käufer dafür 1,2 Mio. Dollar.

Auch die Normalauktion am 19. März setzte starke 77 Prozent ab (nach Wert 91 Prozent). Nach dem Umsatzeinbruch im September heizte Christie’s jetzt die Euphorie mit etwa 25 Prozent unter dem Verkehrswert angesetzten Taxen an. Lächerlich niedrige 100 000 bis 150 000 Dollar wurden für das seltene gerippte Weingefäß vom Typ „Zun“ mit Doucai-Dekor (1723-35, Yongzheng-Periode, Chenghua-Marke) erwartet. Ein identisches Gegenstück befindet sich im Palastmuseum in Beijing. Kenner hielten zwei bis drei Mio. Dollar für realistisch und wurden vom asiatischen Handel bei 1,8 Mio. Dollar bestätigt. „Das ist erst der Anfang“, kommentierte Händler John Berwald den östlichen Eifer, „das Gebiet ist unterbewertet.“

In Sotheby’s magerem Angebot am 17. März lag der Akzent auf Qing-Porzellan. Wie erwartet, hievten asiatische Bieter seltene Porzellanvasen mit Famille-rose-Dekor aus dem Besitz Gordon Gettys, in den 1990er-Jahren in Hongkong erworben, an die Spitze. Zwei gedeckelte Töpfe mit dem beliebten Dekor „Acht Unsterbliche“ (Qianlong-Marke und -Periode) kletterten auf 632 500 Dollar, und die seltene Vase in Laternenform (Qianlong-Marke und -Periode) mit Knaben beim Spiel im Garten verdoppelte die untere Taxe auf 602 500 Dollar.

Seite 1:

Altchinesisches triumphiert

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%