Asia Week New York
Diskreter Deal im Hinterzimmer

Eine südchinesische Sammlergruppe erwirbt vor der New Yorker Christie's-Auktion eine wertvolle Ritualbronze. Damit gehen zahlreiche, eigens angereiste Bieter aus Asien leer aus.
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New YorkEin von Christie’s hinter verschlossenen Türen ausgehandelter Verkauf brachte die wieder zu Hunderten nach New York angereisten Asiaten und einige vermögende westliche Bieter am 20. März um spannendes Auktionstheater. Für die überaus wichtige chinesische Ritualbronze vom Typ „Fanglei“ (späte Shang-/ frühe Westliche Zhou-Dynastie, 12./11. Jahrhundert vor Christus) wurden – unveröffentlicht – mehr als 15 Millionen Dollar erwartet.

Marktteilnehmer standen bereit, sogar bis zu 40 oder 50 Millionen für das als „King of all Fangleis“ beworbene Stück zu zahlen. Am Vorabend der geplanten Auktion gab Christie’s aber bekannt, dass eine Sammlergruppe aus der südchinesischen Provinz Hunan das Bronzegefäß gekauft habe. Es soll dem Hunan Provincial Museum in Changsha geschenkt werden, dort wird bereits der zugehörige Deckel aufbewahrt.

Altchinesische Kunst ist weiterhin sehr gesucht

Der gezahlte Preis wurde nicht veröffentlicht, liegt aber angeblich bei über 20 Millionen Dollar. Das fein mit Tiermasken dekorierte Stück hatte schon vor genau 13 Jahren Schlagzeilen gemacht, als ein europäischer Sammler zu damals unerhörten 9,2 Millionen Dollar den Rekord für ein asiatisches Kunstwerk setzte. Die Taxe lag bei drei bis vier Millionen Dollar. Aber das war vor dem Rückkaufansturm der Chinesen auf ihre im Westen gesammelten Antiquitäten.

Christie’s CEO Steven P. Murphy ließ mitteilen: „Wie immer ist es unsere Pflicht, ein verantwortungsbewusster Interessenwahrer der uns anvertrauten wichtigen Kulturobjekte zu sein. Christie’s ist privilegiert, als Kustos des ,Min’-Fanglei gedient und den Transfer ermöglicht zu haben.“ Das ist aber nur die halbe Wahrheit.

Grund für den Privatverkauf ist eine komplizierte moralische und politische Gemengelage. Vielleicht auch die Furcht, dass ein erfolgreicher chinesischer Bieter seine Rechnung nicht begleichen könnte, ein immer noch großes Problem, oder vor Rückgabeforderungen.

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