Asiatica
Koller erobert China

Die Asiatica-Auktionen des Zürcher Auktionshauses Koller waren überaus erfolgreich. Nichts wurde dem Zufall überlassen und die Kataloge auf Chinesisch gedruckt. Über 100 chinesische Bieter machten sich auf den Weg in die Schweiz.
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ZürichDank Internet finden Spitzenobjekte des Kunstmarktes heute fast immer das ihnen gebührende Käuferinteresse. Und unabhängig davon, ob sie nun in New York, Hongkong oder Zürich aufgerufen werden, erzielen sie einen marktgerechten Preis. Cyril Koller wollte mit Blick auf seine traditionelle Asiatica-Auktion vom 30. und 31. Oktober allerdings gar nichts dem Zufall überlassen. Durch seinen Repräsentanten in China ließ er deshalb sicherheitshalber 1.500 chinesisch gedruckte Katalogausgaben an bedeutende Sammler verteilen.

Der Aufwand sollte sich für das Zürcher Familienunternehmen auszahlen. Als eine mit 120.000 bis 180.000 Franken durchaus realistisch angesetzte tibetisch-nepalesische Bronzefigur ausgerufen wurde, standen über 100 chinesische Bieterinnen und Bieter im Saal auf der Matte. Den Zuschlag für die vierköpfige achtarmige Pancaraskha-Göttin erhielt dann zwar einer der neun chinesischen Telefonbieter; jedoch musste er für die aus Schweizer Privatbesitz eingelieferte 500 bis 700 Jahre alte Feuervergoldete Kupferfigur schließlich sensationelle 3,4 Millionen Franken zahlen, ein neuer Rekordpreis für ein derartiges Objekt. Und dies sollte kein Einzelfall bleiben.

Investition in einen Buddha

Kurz zuvor war eine große nepalesische Figur des Tathagata Akshobya des 14. Jahrhunderts aus der gleichen Sammlung unter Verzehnfachung ihrer unteren Taxe auf 629.500 Franken geklettert. Die Feuervergoldete Skulptur war vom Zürcher Auktionshaus 1981 für 30.000 Franken versteigert worden. Aus einer deutschen Sammlung stammt dagegen die chinesische Kangxi-Bronzefigur von Amyatus. Den Buddha des ewigen Lebens hatte der Sammler 1986 bei Sotheby’s in London für rund 39.000 Pfund ersteigert. Von Koller wurde er immerhin auf 300.000 bis 400.000 Franken veranschlagt. Am Ende erzielte die 42 cm hohe Bronze wiederum per Telefongebot aus China 767.500 Franken.

Dem aufwendigen Marketing in China dürfte es außerdem zu verdanken sein, dass zwei Kenner offenbar unabhängig voneinander ein auf 1.000 bis 1.500 Franken geschätztes großes Jadesiegel als kaiserliches Siegel erkannten. Es kam auf 190.000 Franken. Damit erzielten allein diese vier Spitzenlose zusammen fast 5 Millionen Franken oder drei Viertel des Auktionstotals von 7,5 Millionen Franken. Angesichts solch lukrativer Überraschungen konnte Cyril Koller einige schwächere Ergebnisse, beispielsweise für japanische Netsuke, natürlich recht gut verkraften.

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