Asiatika-Auktionen in London
Dramatische Hochpreise und wählerische Chinesen

Heftige Bietgefechte lieferten sich Chinesen bei den Londoner Auktionen. Dabei ging es vor allem um chinesisches Kunsthandwerk und altes Porzellan. Besonders die englischen Auktionshäuser profitieren von dem Boom.
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LondonChinesische Sammler treiben den Kunstmarkt an allen Fronten weiter an, und das wird auch noch eine Weile so bleiben, wie Sotheby's-Chefmanager Bill Ruprecht jüngst bei einer Bilanzpressekonferenz versicherte. Dies sei unabhängig davon, ob die chinesische Wachstumsmaschine an Fahrt verliere oder nicht. Das bestätigte sich bei den Londoner Auktionen von altem chinesischem Kunsthandwerk: Dramatische Hochpreise bezeugten nicht nur den unbändigen Appetit chinesischer Sammler auf chinesisches Kunsthandwerk und altes Porzellan mit europäischer Sammelgeschichte, sondern auch, dass die europäischen Nachschubquellen weiterhin sprudeln. Eine glückliche Konstellation vor allem für englische Auktionshäuser, die von diesem Boom besonders profitieren.

Es gab eine Reihe erstaunlicher Bietkämpfe, etwa um eine blaue "Jun"-Schale mit pflaumenblau verlaufendem Glasur-Spritzer, die bei 3 000 Pfund startete und erst bei brutto 505 250 Pfund an den Londoner Händler Eskenazi ging. Das Pendent bei Christie's war eine auf 20 000 bis 30 000 Pfund geschätzte, acht Zentimeter große Fußschale der südlichen Song-Dynastie (12. Jahrhundert) mit grauer Craquelé-Glasur: Ein asiatischer Privatbieter steigerte das Dingelchen auf 825 250 Pfund.

Bei Bonhams wurde der Höchstpreis der Woche für ein Jadesiegel aus europäischem Sammlungsbesitz bewilligt, das einst in der "Halle der drei Raritäten" in der verbotenen Stadt war - ein Muss für superreiche Chinesen. Das auf 1 bis 1,5 Millionen Pfund geschätzte, spinatgrüne Jadestück des Qianlong-Kaisers mit drei glückbringenden Drachen wurde von einem im Saal bietenden Taiwanesen gegen den siegreichen chinesischen Telefonbieter auf 3,4 Millionen Pfund gesteigert.

Während Bonhams seine 12-Millionen-Pfund-Auktion abwickelte, strömten andere in den Vorort Ruislip zu Auktionator Bainbridge, der vor drei Jahren mit dem 53 Millionen Pfund Ausreißerpreis für eine Qianlong-Vase weltbekannt wurde. Diesmal wurde die nachgelassene Sammlung Otto und Gertrude Harriman versteigert, die seit 1989 in einem Lokalmuseum in Nottingham ausgestellt war, und brachte 2,9 Millionen Pfund.

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Spitzenstück war ein Pinseltopf

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