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Chinesische Patrioten treiben die Preise

Lange Zeit war bei chinesischen Kunstkäufern nur das kaiserzeitliche Porzellan begehrt. Doch seit der gewaltigen Preisexplosion für Arbeiten der Ming-Epoche werden auch tibetische Kunstwerke, archaische Bronzen und buddhistische Skulpturen gesammelt. In China gibt es umfangreiche Firmensammlungen und viele Privatsammler. Sie bedienen sich gern in deutschen Auktionshäusern wie Lempertz oder Nagel. Stammt doch deren Angebot meist aus alten und damit nahezu fälschungssicheren Sammlungen.

Ende der 1990er-Jahre erschienen Käufer aus der VR China, Hongkong und Taiwan auf dem internationalen Auktionsparkett. Ihr fast ausschließlich auf exquisites Porzellan der Ming- und Qing-Kaiser (1368-1911) beschränkter Appetit führte rasch zur Explosion der Preise. Halbjährlich in Hongkong von Sotheby's und Christie's veranstaltete Themenauktionen rund um kaiserlichen Prachtgeschmack etablierten sich als Bühne der Millionenzuschläge. Im Frühjahr 2008 erreichten die sich jagenden Umsatzsuperlative den Zenith mit Gesamteinnahmen von 1,5 Milliarden HK-Dollar (191 Mio. US-Dollar).

Mittlerweile ist der Anteil der asiatischen Teilnehmer bei internationalen Versteigerungen auf über 80 Prozent gewachsen. "Aber viele sieht man nur ein Mal, das ist alles noch ziemlich neu", beobachtet der Händler Daniel Eskenazi. Auf westlichen Auktionen decken sich auch die neuen Auktionshäuser der VR China ein, deren Zahl in die Hunderte geht. Ihre oft fantastisch hohen Zuschläge und Rekorde werden im Westen kaum bekannt. Auf der Suche nach wichtigen historischen Stücken mit sicherer Provenienz geraten auch kleinere europäische und amerikanische Auktionshäuser in die Schlagzeilen.

Doyle, New York, erregte im September 2003 mit der Porzellansammlung F. Gordon Morrill Aufsehen. Da machte Xu Qiming, Vorsitzender der Xulong Food Group in Ningbo (Provinz Zhejiang), mit dem Kauf einer blau-weißen Pilgerflasche (Yuan) zum Zehnfachen der Taxe bei 5,8 Mio. Dollar zum ersten Mal von sich reden. Im Juli 2005 gab Woolley & Wallis, Salisbury, den Zuschlag einer blau-weißen Vase (Yuan) bei 2,6 Mio. Pfund netto bekannt.

Bei Lempertz, Köln, erstand ein chinesisch-amerikanischer Bieter im Dezember 2007 eine Ming-Vase mit Lotusdekor zu 1 Mio. Euro brutto. Bereits im November 2004 war bei Nagel, Stuttgart, eine himmelblaue Vase (Yongzheng) auf 1,06 Mio. Euro brutto geklettert. Mittlerweile sind Chinesen bei Nagel für 25 bis 30 Prozent des Jahresumsatzes verantwortlich. Gingen in den letzten beiden Jahren rund 90 Prozent des Angebots ins Ausland, so kamen in Nagels Maiauktion auch bei teurer Ware wieder mehr deutsche Kunden zum Zuge. "Das ist eine ganz neue Beobachtung", so die Pressesprecherin.

Der bis heute gültige Rekord für ein altchinesisches Objekt wurde im Juli 2005 bei Christie's London gesetzt. Giuseppe Eskenazi setzte sich damals gegen sieben Mitbewerber, darunter auch chinesische Interessenten, um einen blau-weißen Schultertopf (Yuan) durch. Zugeschlagen wurde bei 15,7 Mio. Pfund. "Die westlichen Topkäufer gibt es noch immer", weiß Daniel Eskenazi, Giuseppes Sohn und Partner. Ihre Firma beriet schon den legendären British Rail Pension Fund und vertritt heute europäische und amerikanische Kunden.

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