Asiatika
Erste Anzeichen einer Abkühlung

Widersprüchliche Tendenzen bestimmten das Klima der Londoner Asiatika–Auktionen. Neben Höchstpreisen und Rekordumsätzen übten sich die Besucher der Asienwoche dieses Mal auch in Zurückhaltung.
  • 0

LondonUngebremste Kauffreude, wachsende Konkurrenz, steigende Preise, aber auch immer größere Marktkennerschaft, Selektivität und Vorsicht – und möglicherweise eine kommende chinesische Kreditklemme prägten die Asiatika. Auf der einen Seite überboten sich Sammler am Telefon und in überfüllten Auktionssälen. Auf der anderen blieben selbst hochwertige Objekte unverkauft. Bei der Galeriewoche der Asienhändler wurde von einer neuen Zurückhaltung chinesischer Zwischenhändler berichtet, die unter steigenden Zinsen und Kreditkontrollen zu leiden beginnen. Trotz Boompreisen könnte dem Markt also eine Konsolidierungsphase bevorstehen.

Bei den unerwartet hohen Preisen in den Auktionen schoss das drittgrößte Londoner Auktionshaus Bonhams mit einer türkisgrundigen Vase mit Qianlong-Kaisermarke den Vogel ab. Sie war auf 800.000 Pfund geschätzt und wurde nach einem Gefecht dreier Telefonkäufer bei 9 Millionen Pfund (10,5 Millionen Euro) zugeschlagen. Bonhams verdoppelte mit seiner Auktion aus 700 Losen die Schätzung auf das Sensationsergebnis von fast 24 Millionen Pfund. Ein Triumph für Asienchef Colin Sheaf, der das Auktionshaus auch in Hongkong zu einem ernstzunehmenden Mitbewerber aufbaut: „Wir hatten einfach das bessere Material und mehr davon als die anderen“, freute er sich. Chinesische Kunst sei weiterhin das „aufregendste Sammelgebiet“.

Der Andrang der Chinesen auf Chinakunst mit westlichen Sammlungsprovenienzen, der nun seit mehr als vier Jahren ununterbrochen wächst, lockt bestes Material aus westlichen Sammlungen. Seit eine Qianlong-Vase bei einem Londoner Vorortauktionator in der Asienwoche 2010 für 53 Millionen Pfund verkauft wurde, suchen englische Familien ihre Regale und Dachböden nach alten Chinavasen ab.

Viele werden fündig. Bonhams eingangs erwähntes Toplos war eine 1920 von einem englischen Angestellten von Jardine Matheson in Hongkong erworbene Vase, die seither in Familienbesitz war. Sie wurde, nach einigem Gezänke von einer Erbengemeinschaft versteigert. Auch in einem Provinzhotel fand sich eine Vase, die Hunderttausende wert sein soll. Eine „Mondflasche“, die bei einem Rentner auf dem Fenstersims stand, sollte diese Woche von einem Auktionator in Salisbury 500.000 Pfund einspielen, blieb trotz abgesenkter Schätzung aber unverkauft.

Seite 1:

Erste Anzeichen einer Abkühlung

Seite 2:

Topstücke gingen zurück

Kommentare zu " Asiatika: Erste Anzeichen einer Abkühlung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%