Asiatika
Hokusais berühmte Fuji-Welle wird teuer

Eine Privatsammlung japanischer Drucke verhilft Lempertz zu einem Asiatika-Umsatz von 2,7 Millionen Euro. Attraktiv machten die Auktion auch die günstigen Schätzpreise. Das bekannte Wogen-Bild von Hokusai brachte mehr als das Dreifache der Vorbewertung ein. Sehr gute Ergebnisse erzielten auch Werke des chinesischen Künstlers Wu Guanzhong.
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KÖLN. Passend zum hundertjährigen Bestehen seiner Asiatika-Auktionen konnte das Kunsthaus Lempertz in Köln eine prominente Japan-Sammlung anbieten. Die 100 Holzschnitte waren seit den 1920er-Jahren von dem Krefelder Industriellen Walter von Schewen zusammengetragen worden. Sie machten aus der Abteilung, die für gewöhnlich im Schatten Chinas steht, einen auch international beachteten Höhepunkt.

Zur Attraktivität trugen nicht zuletzt die günstigen Schätzpreise bei. So war Hokusais berühmte Woge „Kanagawa oki nami ura“ aus der Serie der „36 Ansichten des Berges Fuji“ mit lediglich 20 000 Euro vorbewertet, während amerikanischer Handel am Ende marktgerechte 64 000 Euro inklusive Aufgeld auslegen musste.

Der folgende rote Fuji wurde von italienischem Handel bei 42 000 Euro übernommen, die braunrote Version wieder von amerikanischem bei 36 000 Euro (Taxe je 12 000 Euro). Durch den fast vollständigen Verkauf der Sammlung stieg die losbezogene Quote der Japan-Offerte auf knapp 60 Prozent.

Starker Umsatz bei chinesischer Kunst

Chinesische Kunst war minimal schwächer in der Zuschlagsquote nach Losen, jedoch deutlich stärker im Umsatz. Dafür sorgte erheblich der Einsatz eines chinesischen Bieters, der ein Paar golddekorierter ,Teadust-Vasen’ der Qianlong-Periode, sie haben eine körnige teepulverähnliche Glasur, auf 307 000 Euro (80 000 Euro) trieb.

Eine große Cloisonné-Vase mit Bronze-Applikationen aus dem 16./17. Jahrhundert stieg durch chinesisches Gebot von 10 000 auf 104 000 Euro. Ein bronzener ,Buddha Amitabha’ erzielte 135 000 Euro (80 000 Euro).

Erstaunliches tat sich bei der zeitgenössischen traditionellen Malerei. Die großformatige abstrakte Tuschekomposition „Vergebung“ von 1996 des 1919 geborenen Wu Guanzhong stieg von 100 000 Euro auf 307 000 Euro. Das kleinere farbige Bild „Fäden des Frühlings“ konnte ein Chinese erst bei 294 000 Euro (70 000 Euro) übernehmen. Wu gilt in China als einer der Wegbereiter des Dialogs mit der Kunst des Westens und wird hoch gehandelt. Sein Auktionsrekord liegt bei umgerechnet über 4 Millionen Euro. Laut der Preisdatenbank Artnet wurde noch nie ein hochpreisiges Werk des Künstlers außerhalb Asiens versteigert.

Mit der Asiatika-Auktion nahm Lempertz 2,7 Millionen Euro ein, nach 2 Millionen Euro im Frühjahr und einer schwachen Auktion vor einem Jahr. Insgesamt setzten die Kölner 2009 nach eigenen Angaben 36 Millionen Euro um. Im Jahr zuvor waren es noch 47 Millionen Euro gewesen. Verglichen mit den internationalen Größen der Branche ist der Rückgang jedoch gering ausgefallen.

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