Asische Kunst ist in Paris im Kommen
Paris mit Stäbchen

Die französische Metropole ist auf dem Asien-Trip. In einer Kunstgalerie kann man sich sogar für eine Nacht in ein japanisches Love-Hotel einmieten.

Ja, hier muss es sein: lauter rosarote Herzchen auf undurchschaubaren Fenstern. Die Straße stimmt: Rue des Amandiers, der Friedhofswächter von Père Lachaise hat den richtigen Weg gewiesen. Aber nein, das ist es doch nicht, das gesuchte „Love-Hotel“ im etwas heruntergekommenen 20. Bezirk, sondern eine Filiale der Supermarktkette Franprix – die so herzhaft für ihre Billigprodukte wirbt.

Zwei Häuser weiter: ein vergammelter Bürobau im wenig einladenden 60er-Jahre-Stil, aber die Hausnummer 24 - 32 stimmt. Eines von Dutzenden Klingelschildern trägt auch ganz klein den Namen Maisonneuve. Dahinter verbirgt sich im 5. Stock eine Galerie, und dort, am Ende eines langen, öden Ganges – wie man ihn ähnlich auch aus asiatischen Plattenbauten kennt – signalisiert auch ein Leuchtkasten das Ziel: Love-Hotel.

Natürlich kein „echtes“ Hotel, diese Installation des in Brüssel lebenden peruanischen Künstlers Jota Castro. Und doch eins: Denn man kann das Kunstwerk ab 5 Uhr nachmittags, nachdem die Galerie geschlossen hat, für eine Nacht mieten, noch bis Ende August, zum Preis von 230 Euro, in Paris ein durchaus üblicher Preis für ein Standarddoppelzimmer. Wird das gemacht? Galerist Grégoire Maisonneuve nickt: „Zwei- bis dreimal pro Woche.“ Paare oder Gruppen? „Beides.“

Die leuchtend rote, plüschige Lasterhöhle, zu der ein kreisrundes Lotterbett und eine Liebesschaukel gehören, ist garniert mit erotischer Weltliteratur. Entsprechende – künstlerische – Videos sollen noch dazukommen. Die Mieter werden quasi zu einem Teil der Installation, mit der der Biennale-Teilnehmer Castro die Gleichung „Sex = Kommerz“ aufmacht. Sie bekommen auf Wunsch sogar eine Quittung über ihre kunstvolle Liebesnacht: ein Zertifikat des Künstlers.

Überhaupt ist Paris in diesem Sommer voll auf dem Asien-Trip. In der Galerie Sud des Centre Pompidou läuft noch bis 13. Oktober die Ausstellung „Alors, la Chine?“ Man betritt sie durch ein Tor, dessen Bogen aus von innen beleuchteten Styropor-Schachteln besteht. Diese ebenso farblosen wie umweltproblematischen Symbole chinesischen Alltags sind wie Steine aufeinander gestapelt.

Im Inneren der Ausstellung interpretieren chinesische Künstler der Gegenwart das soziale Leben im Reich der Mitte. Ihre Kunst ist im doppelten Sinne gegenständlich: Ansammlungen von Banalitäten, sämtlich aus weißem Porzellan, symbolisieren Zerbrechlichkeit. Ein ähnliches Motiv aus braunem Zucker steht für das süße Leben, das in China bekanntlich auch sehr bitter sein kann.

So viel asiatisches Ambiente macht Hunger auf mehr, Lust auf Shopping und Chop Suy – vor allem, weil in Paris der Sommerschlussverkauf tobt (bis 1. August) mit Rabatten von 50 bis 70 Prozent auf die feinsten Labels und damit auch auf die in dieser Saison so beliebten Suzy-Wong-Kleidchen. Im traditionellen Pariser Kaufhaus Printemps gibt es sogar eine Dependance des japanischen Department Stores Takashimaya mit allerlei Souvenirs, die (nicht nur) Asiaten lieben. Die stehen ohnehin lieber bei Gucci, Prada und Chanel Schlange.

Mit Stäbchen essen kann man nicht nur im einfachen China-Imbiss in „China Town“ rund um die Metro-Station Place d’Italie, sondern auch in so noblen Adressen wie dem „Asian“ in der Avenue George V, mit Blick in einen schier endlos verspiegelten Bambusgarten.

After Dinner noch auf der Suche nach einem exotischen Geschenk? Die neueste CD aus dem In-Treff Buddha-Bar kommt immer gut an. Und wenn es diese Entspannungsmusik nicht bringt: Im Centre Sivanananda de Yoga Vedanta gibt’s kostenlose Probestunden: Samstagnachmittag um 14 Uhr: Paris-oooooohmmmmm!

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