Auch Männer lieben schicke Schuhe – an Frauen
Auf leisen Sohlen

Schuhe sind die Verbindung des Menschen zur Erde. Doch Schuhe sind auch Kult. Nun hat nicht jede einen Schuh-Tick und eine entsprechende Sammlung wie weiland Imelda Marcos. Auch Männer lieben schicke Schuhe - an Frauen. Sie selbst sind eher Modemuffel, wenn?s um Fußbekleidung geht.

Schuhe sind die Verbindung des Menschen zur Erde. Mal poetisch gesehen. Mehr pragmatisch: Schuhe können die Qualität eines Auftritts entscheidend mitbestimmen. Nicht nur den - auch den Gesichtsausdruck. Besonders, wenn die Fußbekleidung zu eng ist. Also: Immer erst am Abend Schuhe kaufen, dann passen sie am nächsten Morgen bestimmt.

Doch Schuhe sind auch Kult. Nicht erst seit in "Sex and the City" fast alle Welt weiß, dass Manolos keine Glasmurmeln oder Schokoklicker sind, sondern als High Heels verantwortlich für das verführerische Klick-Klack auf dem Asphalt - am Ende von endlos wirkenden Frauenbeinen.

Nun hat nicht jede einen Schuh-Tick und eine entsprechende Sammlung wie weiland Imelda Marcos, aber die meisten Frauen haben doch mehr Treter im Schrank, als sie je schief laufen können. Und Künstler wie Andy Warhol adeln den Karton.

Auch Männer lieben schicke Schuhe - an Frauen. Sie selbst sind eher Modemuffel, wenn?s um Fußbekleidung geht. Haben sie erst einmal ein Modell eingelaufen, laufen sie gern jahrelang in einem modischen Auslaufmodell durch die Gegend. Der Mann geht beim Schuhkauf weniger nach dem Lustprinzip vor, er kauft bei Bedarf, und da ist er meist bescheiden.

Doch die Schuhhersteller sind ihm auf den Fersen, und zwar sportlich. Nicht erst seit sich Joschka Fischer bei seinem ersten Amtseid mit Turnschuhen erdete, sind die bequemen Schnürer der Renner nicht nur in Hallen und Stadien, sondern selbst auf Karriere-Leitern und Beamten-Laufbahnen.

Wehe, wer den Trend verpennt: Adidas, Nike und Puma jedenfalls nicht. Der Sport hat immer noch die Nase vorn. In der kommenden Saison auch im Wind, denn Bootsschuhe gewinnen Land. Bei den Top-Marken punktet Prada auch zu Fuß, Tod?s macht sich nach wie vor auf die Noppen, und männliche City-Hopper halten mit Santonis Schritt mit den Manolos der Mädels.

Dabei ist in Nischen noch jede Menge Platz für kleine Marken, die ab Sonntag entdeckt werden wollen von 38 000 erwarteten Einkäufern aus mehr als 80 Ländern auf der weltgrößten Schuhmesse, der GDS in Düsseldorf. Hier hat die internationale Schuhmode ihren Auftritt - noch bis Mittwoch, 21. September. Trendscouts warten mit Schuhspannung auf ihr spezielles Programm bei "Design Attack" in Halle 13. Hier heißen Marken schon mal "Be Rock" (angekündigt als Kumpel-Kollektion aus dem Ruhrgebiet), "Esszimmer" oder "Ed?s Firearms" bis hin zu Szene-Socken des Labels "XYZ".

Gemäß der Internationalität der Messe klingt das Schuh-Modemotto für die nächste Saison: "Around the world". Weltreisende wollen sich keine Blasen holen, deshalb lieben sie?s leicht und bequem. Mann kommt auf leisen Sohlen. Sie sind aus Gummi oder dünnem Leder. Manche Modelle lassen sich knautschen oder gar zusammenrollen wie ein Paar Socken. Praktisch auf Welt-Reisen.

Das passt auch zum lässigen Modestil mit dem rustikalen Baumwoll- oder Leinenhemd unter der Safari-Jacke. Logisch die Farben dazu: Braun, Beige, Khaki.

Formeller wird?s im "English Garden". Hier tritt Mann mit britischem Understatement auf, im sportlich-eleganten Dress mit Anleihen bei der Club- oder Collegemode. Zu Fuß geht?s ihm dabei glänzend bis zur vornehmen Mattigkeit von Nubuk- und Veloursleder. Steppnähte und Lyra-Lochungen bestimmen das Bild des Schuhwerks.

Der Begriff Derby in der Schuhmode steht dabei nicht für derb, sondern eher für dezent-sportlich. In diesem Bereich kommt auch mehr Farbe ins Spiel: Marine und kräftiges Rot, auch schon mal in der Kombination mit Weiß. Beim Thema "Mother Nature" tritt Mann die Natur nur da mit Füßen, wo?s ihr und ihm nicht weh tut. Fußbett - allein der Name tut schon gut, hat aber gar nichts mit eingeschlafenen Füßen zu tun. Im Gegenteil. In ausgeformten Tieffußbettungen bleiben sie länger munter.

Das geht bis zu so ausgeklügelten Konzepten wie MBT, der Massai BarfußTechnology, bei der der gelernte Schweizer Maschinenbauer Karl Müller in einem ausgeklügelten System das Barfußlaufen quasi in die Sohlen seiner Sandalen und Laufschuhe mit eingebaut hat. Anfangs gewöhnungsbedürftig - doch dann hebt man ab und will nie wieder auf den Boden der herkömmlichen Treter zurück. Muss Mann aber wohl, wenn?s klassisch wird, im Job oder während eines entspannten Abends. Doch auch hier wird die Schuhmode softer. Das Mode-Thema heißt "70?s Lounge". Dabei ziehen die Schuhmacher nicht nur vom Leder, sondern setzen auch stoffliche Qualitäten ein, feste Baumwolle, ja, sogar Seide. Immer korrekt geschnürt, damit?s nicht zu leger wird.

Das Branchenblatt "Textilmitteilungen" berichtet von "renovierter Klassik", was nicht gleichzusetzen ist mit reparierten Schuhen, auch wenn moderne Fußbekleidung oft so malträtiert wird wie Jeans, bewusst gebürstet, vielfach verschrammt oder vermeintlich flüchtig verfärbt.

Und der Avantgardist? Der treibt seine Schuhmode gern mit einem leichten Karree auf die Spitze, liebt die seitliche Schnalle oder zur Zierde das Zaumzeug von Gucci.

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