Kultur + Kunstmarkt
Auf verschlungenen Pfaden

Der Titel "Das Labyrinth" hat programmatischen Charakter. In dem Roman von Gerhard Roth geht es um labyrinthisches menschliches Denken, um verschlungene historische Pfade. Rätselhafte Zusammenhänge zwischen Kunst und Wahnsinn werden beschrieben.

Verwinkelt ist auch die Architektur der Wiener Hofburg, die zu Beginn des Romans in Flammen steht. Der österreichische Autor inszeniert um die Fakten aus dem Jahr 1992 ein anspielungsreiches Verwirrspiel. Die Frage nach dem Brandstifter und dem Drahtzieher eines weiteren Attentats verleiht dem Werk auch noch einen kriminalistischen Touch.

Der erzählerische Trick ist: Die zentralen Figuren des Romans haben ihren Lebensmittelpunkt in der Psychiatrie. Der promovierte Psychiater Pollanzy berichtet über seine beiden pyromanisch veranlagten Patienten Stourzh und Lindner - beide eines Attentats verdächtig. En passant hat Roth in seine ausschweifende Handlung auch noch das Zusammenspiel zwischen Kreativität und Schizophrenie in Dichtung und Kunst eingeflochten. Genie und Wahn marschieren bei Gerhard Roth in allen Lebensbereichen oft dicht nebeneinander. Sie sind sich so nah wie Meisterschaft und Beliebigkeit in diesem Roman, machen gleichzeitig aber auch seinen großen Reiz aus.

Gerhard Roth: Das Labyrinth. S. Fischer Verlag, Frankfurt 2005, 455 Seiten, 19,90 Euro

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