Auftakt der Frankfurter Buchmesse
E-Reader stiehlt Büchern die Show

Neue digitale Medien und das Gastland Türkei haben den ersten Tag der Frankfurter Buchmesse bestimmt. Für Furore sorgte auch ein Manuskrip von Heinrich Heine, das seit über 100 Jahren als verschollen galt.

HB DÜSSELDORF. E-Reader heißen die Stars des Tages. Auf der 60. Frankfurter Buchmesse wurden die kleinen elektronischen Lesegeräte zum ersten Mal vorgestellt. Die E-Reader könnten Branchenkennern zufolge die Verlagslandschaft revolutionieren wie keine andere technische Innovation in den letzten Jahrzehnten.

Verleger, Buchhändler und Autoren reichten an einem Stand in Halle vier die bereits erhältlichen Modelle und von Hand zu Hand, während Experten die Vor- und Nachteile der einzelnen Geräte erklärten. Besonders bestaunt wurde ein E-Book, dessen berührungsempfindlicher Bildschirm sich bis auf Handygröße zusammenrollen lässt. Sony kündigte auf der Buchmesse sein neues E-Book für Frühjahr 2009 an.

Das Wort „digital“ ist allgegenwärtig in Frankfurt. Nur noch 42 Prozent der ausgestellten 400 000 Exponate der 7373 Aussteller sind im klassischen Sinne Bücher - 30 Prozent sind digitale Produkte wie DVDs oder Software. Ungebrochen beliebt sind Hörbücher. In den vergangenen sieben Jahren hat sich die Anzahl ihrer Käufer mehr als verdoppelt, wie eine Studie ergab. Die Branche setzt damit inzwischen rund 200 Millionen Euro um.

Neben der Elektronik beherrschte die Politik den ersten Messetag. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stand die Türkei, der Ehrengast der diesjährigen Buchmesse. Bei einem deutsch-türkischen Diskussionsforum zum Thema „Bildung und Integration in Deutschland“ sprach Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) mit jungen Migranten. Bundespräsident Horst Köhler traf sich vor seinem Messerundgang am Mittwochnachmittag mit dem türkischen Staatspräsidenten Abdullah Gül und Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk sprach über „Die Sehnsucht der Türkei nach Europa“.

Von einem „Sensationsfund“ berichtete der Verlag Hoffmann und Campe: Unter bislang unbekannten Umständen sei ein 40 Seiten starkes, handgeschriebenes Manuskript von Heinrich Heine wiederentdeckt worden. Der im Juni 1832 geschriebene Artikel galt seit über 100 Jahren als verschollen. Erstmals wurde in diesem Jahr der „kurioseste Buchtitel des Jahres 2008“ gewählt. Es siegte das Buch „Begegnungen mit dem Serienmörder. Jetzt sprechen die Opfer“ - für Juror Elmar Krekeler „hohe Titeleikunst nah am Wahnsinn“.

Bis Freitag ist die Buchmesse Fachbesuchern vorbehalten, am Wochenende darf auch das Lesepublikum kommen.

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