Auktion bei Christie's
200 Millionen Dollar und ein Kandinsky-Rekord

Für ein marktfrisches Gemälde von Wassily Kandinsky wurden bei Christie's in New York 23 Millionen Dollar bezahlt – Weltrekord. Insgesamt wurden über 200 Millionen Dollar umgesetzt. Star des Abends war ein Monet.
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New YorkDie erste Auktion nach dem Hurrikan Sandy und nach Obamas gewonnener Wahl glich einer Achterbahnfahrt aus Höhen und Tiefen. Christie’s Abendauktion mit Impressionisten und Kunst der Klassischen Moderne am 7. November in New York brachte einen neuen Weltrekord für ein marktfrisches Gemälde von Wassily Kandinsky hervor. Die farbsatte „Studie für Improvisation 8“, 1909 gemalt, als der Künstler die Figur immer weiter zu abstrahieren beginnt, kostete einen Sammler aus Europa 23 Millionen Dollar (17,9 Mio. Euro, alle Preise sind Bruttopreise inkl. Aufgeld).

Teurer wurde nur der mit 88 Zentimeter mal einen Meter eher kleine Blick auf Claude Monets berühmten Seerosenteich. Ein Amerikaner bewilligte für das Ausnahmebild „Nymphéas“ 43,8 Millionen Dollar, einen Preis der genau in der Mitte der Experten-Schätzung liegt.

21 Werke verschmäht

Insgesamt spielte die 100-minütige Versteigerung mit 48 verkauften von 69 angebotenen Kunstwerken 205 Millionen Dollar ein. Doch die beiden Absatzquoten zeigen, dass die Bieter launisch waren: nach Wert gerechnet wurden 80 Prozent der Kunstwerke verkauft, nach Zahl der Lose nur 70 Prozent.

Wenn in einer eigentlich handverlesenen, hier aber überlangen „Gala“-Versteigerung ganze 21 Kunstwerke vom Markt verschmäht werden, ist das ein deutliches Indiz: Dafür, dass viele Köche am Werk sind. Die Einlieferer der Spitzenstücke können sich in einem Verkäufermarkt erlauben, dem Auktionshaus die zu ehrgeizigen Mindestpreise zu diktieren. Und Werke in die prestigeträchtige Abendauktion zu bringen, die besser in einer Tagauktion aufgehoben wären.

Schiff in schwerer See

Genauso janusköpfig, wie der Verlauf der gesamten Auktion, ist auch das Ergebnis für eine anonyme Privatsammlung,  deren 12 jetzt feil gebotene Kunstwerke ab 1986 in nur zwei Jahren eingekauft worden waren.  Die von Christie’s  Marketing herausgehobene Gipsskulptur von Constantin Brancusi „Une muse“ konnte der geschickt agierende Auktionator Andreas Rumbler für 12,4 Millionen Dollar einem Amerikaner zuschlagen.

Doch kapitale Werke wie Lyonel Feiningers „Raddampfer III“ im dramatisch bewegten Meer und Marc Chagalls frühes Stillleben aus dieser Privatsammlung fielen durch, weil sie mit jeweils 6 bis 8 Millionen Euro zu hoch angesetzt waren.

Gemaltes Licht

Verdiente 4,4 Millionen Dollar hat dagegen eine Dorflandschaft von Camille Pissarro gebracht. Der Impressionist dekliniert hier eigentlich nur die Kraft des Abendlichts durch. Doch er tut das in vielerlei Gestalt, so dass ein Fest für das Auge ist. Claude Monets türkisfarbenes, kühnes Hochformat  von Segelbooten in der Flaute ließ sich auf die geschätzten 2 Millionen Dollar heben.

Fazit: Es wird in der Klassischen Moderne und bei den Impressionisten immer noch gut Geld ausgegeben für marktgerecht bewertete Gemälde und Skulpturen: 205 Millionen Umsatz. Aber es fehlt die überschäumende Leidenschaft, das Draufgängerische beim Einkauf von Kunst. Falls es am Donnerstag bei der verschobenen Sotheby's Auktion auch so gesetzt zugeht, dann wissen wir: momentan sind die Zeiten doch ein wenig unsicher.

 

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