Auktion brachte 176 000 Euro
Angebliche Hitler-Werke versteigert

Die 21 Aquarelle und Zeichnungen zeigen Landschaften aus dem Grenzgebiet zwischen Belgien und Frankreich – Adolf Hitler soll sie während seines Armeedienstes im Ersten Weltkrieg gemalt haben. Die Auktion in der südenglischen Kleinstadt Lostwithiel stößt auf heftige Kritik. Dabei ist noch nicht einmal klar, ob die Bilder wirklich echt sind.

HB LOSTWITHIEL. Die jahrzehntelang verschollenen Arbeiten zeigen ländliche Szenen aus dem Grenzgebiet zwischen Frankreich und Belgien und sind mit „A. Hitler“ oder „AH“ signiert. Den höchsten Preis bezahlte ein russischer Geschäftsmann: Das Aquarell „Die Kirche von Preux-au-Bois“ war ihm 10 500 Pfund (15 600 Euro) wert. Insgesamt brachte die Versteigerung in Lostwithiel 118 000 Pfund (rund 176 000 Euro) und damit mehr als doppelt so viel wie erwartet ein, wie ein Sprecher des Auktionshauses Jefferys berichtete.

Die Arbeiten entstanden angeblich, als sich Hitler während seines Armeedienstes im Ersten Weltkrieg in der Grenzregion aufhielt. 60 Jahre nach ihrer Entstehung wurden sie auf einem Dachboden in der Nähe der belgischen Stadt Huy gefunden. Zwei Flüchtlinge aus Frankreich hatten die versiegelte Kiste mit den Bildern offenbar auf ihrem Heimweg 1919 auf dem Speicher zurückgelassen. Eine ältere Frau, die anonym bleiben will, bot die Werke dem Auktionshaus zum Verkauf an.

Falls die Arbeiten echt sind, wäre es die größte Versteigerung von Werken Hitlers seit vielen Jahren. Ein Gutachter befand die Signaturen zwar für echt, sagte aber, die Bilder entsprächen nicht dem Niveau früherer Hitler-Werke. Sie seien „mäßige Amateurkunst“. In seiner Jugend wollte Hitler unbedingt Künstler werden, wurde jedoch zwei Mal von der Wiener Akademie der bildenden Künste abgelehnt.

„Seht, sie werfen Juden hinaus!“

Britische Kommentatoren äußerten allerdings nicht nur Zweifel an der Authentizität der Werke, sondern kritisierten auch die Auktion. Die Aufmerksamkeit der Medien trage dazu bei, einen „armseligen und abstoßenden Markt von Andenken an das Dritte Reich“ aufrecht zu erhalten, schrieb Jonathan Jones in der Zeitung „The Guardian“.

Für kurzzeitige Aufregung sorgte während der Auktion ein Auftritt des selbst ernannten „Comedy-Terroristen“ Aaron Barschak. Dieser protestierte laut gegen die Versteigerung, bevor er von Wachleuten aus dem Auktionssaal gebracht wurde. „Seht, sie werfen Juden hinaus“, rief Barschak. 2003 hatte der Berufsprovokateur Sorgen um die Sicherheit des britischen Königshauses ausgelöst, als er sich trotz umfangreicher Sicherheitsmaßnahmen unter die Gäste einer Geburtstagsparty von Prinz William mischte.

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