Auktion in München: Rekordpreis für Adolf Menzels Papierarbeiten

Auktion in München
Rekordpreis für Adolf Menzels Papierarbeiten

Werke des Berliner Künstlers Adolf Menzel fanden im Münchener Auktionshaus Neumeister bei einer Sonderauktion reißenden Absatz. Zum Auftakt bekam Menzels „Studie zum Opernball“ den spektakulären Zuschlag von 330 000 Euro.
  • 0

MünchenSie war der Star der Auktion und sorgte gleich für einen fulminanten Auftakt: Adolph von Menzels unbekannte Schöne in dem Pastell „Studie zum Opernball“, mit dem Neumeister seine Sonderauktion eröffnete. Das Werk brachte den sensationellen Zuschlag von 330 000 Euro (netto) ein. 20 Papierarbeiten aus allen Schaffensperioden des Berliner Künstlers (1815-1905) sowie ein Gemälde sorgten für eine einhundertprozentige Verkaufsquote. Die attraktiv angesetzten Taxen wurden teilweise verzwanzigfacht. Insgesamt beläuft sich die Zuschlagssumme auf rund 1,13 Millionen Euro und bestätigt damit die weltweite Anerkennung des Künstlers. Bereits zu Lebzeiten war Menzel hoch geachtet, seine Gesellschafts- und Hofbilder seit den 1860er-Jahren ließen ihn zum Chronisten des friderizianischen Zeitalters werden. Wie kein anderer schilderte er auch das alltägliche Leben mit einer singulären Radikalität.

Ein Berliner Sammler hat in einem Zeitraum von rund 40 Jahren mit viel Liebe und Gespür eine exquisite Kollektion zusammengetragen. Einige der Werke erwarb er auch bei Neumeister und war dem Haus seit Jahrzehnten eng verbunden.

Die „Studie zum Opernball“, die eine Frau im Ballkleid mit Hut von oben in einer Rückenansicht zeigt, war auf 25 000 bis 30 000 Euro taxiert. Zahlreiche Saal- wie Telefonbieter hoben das Blatt in einem anhaltenden Bietgefecht schließlich auf den höchsten Zuschlag des Abends von 330 000 Euro. Der Käufer, ein internationaler Sammler, bewies auch beim nächsten Los langen Atem: Die feine Studie eines jungen Mannes in schwarzer Kreide auf bräunlichem Tonpapier reüssierte mit 300 000 Euro Zuschlag. Das Blatt zeigt exemplarisch das große Können Menzels, der durch die gezielte weiße Höhung der Zeichnung eine malerische Wirkung erzielt.

Vielfach hatten die Händler, die sich im Saal wie auch am Telefon beteiligten, das Nachsehen. Privatsammler, die bereit waren, Höchstpreise zu bezahlen, hatten die Nase vorn. Die beiden höchsten Zuschläge rangieren nun auf Platz vier und fünf der Liste der höchsten Auktionsergebnisse für Papierarbeiten von Menzel (Quelle: Artnet).

Nicht jedes Blatt absolvierte einen Höhenflug, und so freuten sich Bieter über ihre erfolgreichen Gebote wie die 3500 Euro für die Bleistiftzeichnung eines bärtigen Mannes, die damit zur unteren Taxe zugeschlagen wurde (3500 bis 4000 Euro). Zur oberen Schätzung von 60 000 Euro erwarb ein deutscher Händler am Telefon die „Marktszene in Verona“, das Blatt mit der höchsten Erwartung. Die Tuschezeichnung entstand 1886, zwei Jahre nachdem Menzel die „Piazza d’Erbe“, eines seiner Hauptwerke, vollendete. Der Künstler war fasziniert vom regen Treiben auf den italienischen Marktplätzen und ihren zahlreichen Besuchern. 1881 reiste er zum ersten Mal nach Verona, weitere Aufenthalte folgen, deren Eindrücke er in Zeichnungen und den Skizzenbüchern festhielt.

Die Bleistiftzeichnung eines bärtigen alten Mannes gehörte mit zu den interessantesten Blättern der Sammlung. Mit charakteristischem Strich hält Menzel hier gekonnt die Stofflichkeit fest, dichte Augenbrauen akzentuieren das ausdrucksstarke Gesicht. Menzel at his best. Das war dem Sammler, der auch die beiden Toplose erwarb, 50 000 Euro wert (Taxe 12 000b bis 15 000). Bei der sechsfachen Taxe von 120 000 Euro fiel schließlich der Hammer für die geheimnisvoll dunkle Gouache „Ende des Versöhnungsfestes“, und das einzige Gemälde der Auktion, ein bärtiger Arbeiter, über den sich seine Besitzerin, die französische Vicomtesse de Calonne, „entzückt“ zeigte, beendete mit einem Zuschlag von 50 000 Euro die erfolgreiche Sonderauktion (Taxe 20 000 bis 30 000).

Kommentare zu " Auktion in München: Rekordpreis für Adolf Menzels Papierarbeiten "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%