Auktion
Russen werden wählerisch

Die Sammler russischer Kunst sind wählerischer geworden. Bei einer Versteigerung der Pariser Popoff-Galerie blieb viel teures Porzellan in den Regalen stehen - die Veranstaltung wurde zum Flop. Denn die Veranstalter hatten den Wert der teuren Teller und Vasen zu hoch angesetzt - und einen schlechten Zeitpunkt gewählt.
  • 0

LONDON. Die meisten historischen Spitzenlose wurden gut verkauft, aber davon abgesehen war die russische Kunst der Pariser Galerie Popoff ein Flop. Marktkenner machten zu hohe Schätzungen, die üblichen Vorbehalte gegenüber Händlerware und vor allem die Terminierung der Auktion außerhalb der normalen Russland-Auktionen verantwortlich. Russische Händler bestimmten das Geschehen, die Privatsammler, die sich sonst um die Spitzenlose streiten, traten in den Hintergrund. Christie’s Spezialist Alexis de Tiesenhausen hatte selbst davon gesprochen, dass der Markt für russische Kunst wählerischer und kenntnisreicher geworden ist – das zeigte sich nun daran, dass weniger exklusives Blümchenporzellan reihenweise als zu teuer in den Regalen blieb.

Die teuersten Porzellane wurden der 1762 zur Thronbesteigung von Katharina der Großen hergestellte Petersburger Deckelpokal mit Doppeladler und eine Deckeltasse mit dem Monogramm von Zarin Maria Feodorowna (s. Foto), jeweils mit 157 250 Pfund oder 168 887 Euro an der unteren Taxe zugeschlagen. Der als Weinblatt gestaltete Teller des St.-George-Service aus der Gardner Manufaktur (1777) verdreifachte die Schätzung auf 99 650 Pfund. Auch der Früchtekorb aus dem Service des St.-Andreas-Ordens, ebenfalls aus der Gardner-Produktion, ging über der Taxe für 85 250 Pfund weg. Zu teuer geschätzt war mit 200 000/250 000 Pfund die Büste Katharinas aus Porzellan. Unverkauft blieb auch das Toplos der Aquarelle, Wladimir Haus Porträt von Alexander Puschkins berüchtigter Frau Natalia, für deren Ehre der Schriftsteller im Duell sein Leben ließ. Stattdessen wurde Karl Briullows Aquarellporträt seiner Geliebten Giovanina Pacini auf stattliche 289 250 Pfund gesteigert. Die Gesamteinnahme betrug 5,5 Mio. Pfund, nur die Hälfte der Schätzung.

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Auktion: Russen werden wählerisch"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%