Auktion
Überraschungspreis für tschechischen Maler

Tschechen ist der Name Václav Spála als "Nationalkünstler" ein Begriff - hierzulande ist er weitgehend unbekannt. Nichtsdestotrotz versechsfachte sich beim Münchener Auktionshaus Neumeister der Wert eines Blumenstilllebens des tschechischen Künstlers.
  • 0

MÜNCHEN. Ein in klaren Farben gehaltenes Blumenstillleben aus dem Jahr 1936 hat bei Neumeister in München am 12.11.2009 nach langem Bietgefecht zwischen Saal- und Telefonbietern 36 000 Euro (netto) erzielt und damit rund das Sechsfache der Taxe von 5 000/7 000 Euro. Spálas Werk hat in den letzten Jahren eine künstlerische wie finanzielle Neubewertung erfahren - allein die sieben teuersten Auktionsergebnisse wurden in diesem Jahr erzielt.

Das "Blumenstilleben" rangiert auf Platz zwei nach einem "Blumenstrauß", der im September im Dorotheum Prag rund 56 000 Euro Zuschlag erzielte (Quelle: Artnet). Das bei Neumeister vermittelte Werk, das aus deutschem Privatbesitz stammt, geht nun zurück nach Tschechien. Neumeister hat das Bild bereits im Jahr 1991 gehandelt und erzielte damals den Höchstpreis von 26 000 DM, der bis 2008 die Liste anführte.

Die Käufernachfrage bei den "Ausgewählten Werken" und teuren Stücken hat die Erwartungen von Inhaberin Katrin Stoll bei weitem übertroffen. Die Gesamtverkaufsquote der Auktion liegt bei rund 60 Prozent nach Wert und auch nach Anzahl der Lose (inkl. Vorbehalte). Es lässt sich hier deutlich ablesen, dass nach wie vor der Käufermarkt stark ist und die Angebotsseite noch zurückhaltend.

Der Höchstzuschlag der Auktion galt erwartungsgemäß der kleinformatigen Ölstudie "Fuchsie vor Mondlandschaft" von Gabriele Münter, die sie wohl 1928, einem Jahr des persönlichen Neuanfangs, malte. Mit 120 000 bis 150 000 Euro geschätzt, fiel der Hammer bei 145 000 Euro zugunsten eines süddeutschen Sammlers.

Für eine Gouache mit Sand mit Buddhafiguren des mallorquinischen Künstlers Miquel Barceló bewilligte ein griechischer Händler im Kundenauftrag 38 000 Euro (30 000/35 000). Dieser scheint sich mit religiösen Themen auseinanderzusetzen, denn er sicherte sich auch das expressive "Kreuz" von Peter Chevalier von 1984 für 2 800 Euro. Der Aufwind im Informel-Markt machte sich bemerkbar. Ein Telefonbieter sicherte sich neben einem typischen Fred-Thieler-Ölbild von 1971 für 5 800 Euro auch alle Arbeiten aus dem Katalog "Ausgewählte Werke" von Karl Friedrich Brust und Rolf Cavael. Der Münchener Handel betätigte sich als Unterbieter bei Fritz Erlers "Pan und Nymphe", die ein Privatsammler für 14 000 Euro erwarb (6/8 000).

Franz von Stucks hübsches Mädchenbildnis erzielte 12 000 Euro, und Erich Heckels Aquarell badender Mädchen kam mit 20 000 Euro auf die untere Taxe. Die tanzende "Nana" von Niki de Saint-Phalle ließ sich nach der Auktion für 19 000 Euro verkaufen. Für die Immendorff-Offerte konnten sich die Sammler bislang noch nicht erwärmen. Bei der angewandten Kunst sticht eine Lily-Lampe der Tiffany Studios von 1910 mit einem Zuschlag von 36 000 Euro heraus, gut aufgenommen wurde auch eine französische Glassammlung.

Kommentare zu " Auktion: Überraschungspreis für tschechischen Maler"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%