Auktionen
Akt von Modigliani bringt 69 Millionen Dollar

Sotheby's fährt mit seiner Impressionisten- und Moderneauktion ein beruhigend gutes Ergebnis ein. Der erwartete Höchstpreis galt dem Aktgemälde, das Amedeo Modigliani 1917 von einer schönen Römerin malte. Bieter aus aller Welt trieben „La belle Romaine“ auf 69 Mio. Dollar. Drei weitere Werke übersprangen die 15 Mio. Dollar-Hürde. Der Kunstmarkt zieht wieder an.
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DÜSSELDORF. Sie ist schön, ihre Haut scheint weich und warm - die wechselnde Farbtöne im sogenannten Inkarnat zu malen, ist äußerst schwierig und hier mit Bravour bewältigt. Sie hält sich eine Hand vor die Brust und das verrutschte Hemd. Die "Schöne Römerin" von Amedeo Modigliani spielt aber nur mit der seit der Antike beliebten Geste der schamhaften Venus. Sie schaut den Maler an und genießt seinen Blick. Modigliani hat ihr Augen gemalt, das erhöht ihre Attraktivität und unterscheidet sie von vielen anderen Modigliani-Musen, die nach dem Willen ihres Schöpfers blinde Auge haben. Gestern hat ein nicht identifizierter Bieter in New York 69 Mio. Dollar für "Nu assis sur un Divan (La Belle romaine)" geboten. Das ist doch deutlich mehr als die unveröffentlichte Taxe von "über 40 Mio. Dollar" und viermal mehr als sie 1999 gekostet hat (16,8 Mio. Dollar). Sotheby's vermeldet stolz, dass fünf Bieter um das prachtvolle Aktgemälde kämpften, das einmal Georges Renand, dem Gründer der Kaufhauskette La Samaritaine, gehörte. Die beteiligten Bieter kommen aus Asien und Russland, wo sprunghaft neue Sammlungen entstehen, aber auch aus Europa und den USA.

Käufer geben ihre Zurückhaltung auf

Sotheby's kann mit weiteren zweistelligen Millionen-Dollar-Preisen aufwarten: Das attraktive querformatige Seerosenbild "Le Bassin aux Nymphéas" von Claude Monet kam taxgerecht auf 25 Mio. Dollar, die lässig im Sessel lehnende Tänzerin von Henri Matisse kostete 21 Mio. Dollar und das Bildnis von Modiglianis Gefährtin "Jeanne Hébuterne (au Chapeau)" auf 19,1 Mio. Dollar. 38 Kunstwerke waren teurer als 1 Mio. Dollar. Der Gesamtumsatz liegt bei 228 Mio. Dollar, geschätzt lag er zwischen 195 und 266 Mio. Dollar. Das sind - gemessen an der den Unsicherheiten der Finanzkrise geschuldeten bisherigen Zurückhaltung der Käufer - klare Indizien für einen starken Markt und eine Rückkehr zu hohen Preisen.

Hohe Rückgangsquoten

Doch Vorsicht. So überschäumend wie vor der Lehman-Pleite ist die Stimmung nicht. Das verrät ein Blick auf die Rückgangsquote. Die ist für eine abendliche Galaauktion erstaunlich hoch. Die Bieter sind selektiv, von 61 fanden 46 einen Abnehmer, 15 (dass ist viel) gingen zurück und gelten als "verbrannt", d.h. vorerst sind sie unverkäuflich. Nach Wert setzte Sotheby's im Evening Sale 86,8 Prozent ab, nach Losen 75,4 Prozent.

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