Auktionen
Auktionshaus Bonhams landet großen Coup

Das Londoner Auktionshaus Bonhams versteigert die anspruchsvolle Meissen-Sammlung der beiden Hamburger Hoffmeister-Brüder. Die Auktion gilt als wichtiger Markttest für das exklusive Porzellan - und der Verkauf beweist: Meissen ist immer noch überaus beliebt in der Welt.
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LONDON. Nach Meinung des Auktionhauses Bonhams ist es die wichtigste Auktion einer Meissensammlung seit 1977. Damals versteigerte Christie’s mit zwei Auktionen die Sammlung Maurice de Rothschild, die 1,5 Mio. Pfund einbrachte. Zwar haben die Hamburger Brüder Horst und Dieter Hoffmeister keinen so schillernden Namen, aber ihr Porzellan muss den Vergleich nicht scheuen. Drei Auktionen, die erste am 25. November in London, sollen jeweils eine Million Pfund einspielen.

Die Brüder hatten ihre in 30 Jahren aufgebaute Sammlung 1999 dem Hamburger Kunstgewerbemuseum als Leihgabe überlassen und entschlossen sich, laut einer Stellungnahme des überraschten Museums, „aus wirtschaftlichen Gründen“ zum Verkauf. Es ist der wichtigste Markttest für frühes Meissen seit Jahren. Die Preise sind nicht so stark wie in den frühen neunziger Jahren, wurden aber in den letzten Jahren durch russische Nachfrage wieder angetrieben. „Mit Ausnahme Chinas wird Meissen heute in der ganzen Welt gesammelt“, sagt Bonhams Experte Sebastian Kuhn. In enzyklopädischer Dichte werden zwei Sammelgebiete abgedeckt: frühe Dekorstücke und Wappenporzellane, deren historische Bedeutung erst vor zwei Jahren mit der New Yorker Ausstellung ‚fragile diplomacy’ wirklich entdeckt wurde. Die Porzellan-Diplomatie August des Starken ist in der Sammlung mit 60 Wappenporzellanen umfassender vertreten als in irgendeiner anderen Sammlung der Welt.

Bei fast jedem Wappenstück können die Umstände der Schenkung ermittelt und ein Stück Geschichte rekonstruiert werden. Am teuersten ist eine Bechertasse mit Untertasse aus dem an Clemens August I. von Bayern gelieferten Service, das die Hoffmeisters 1992 für 113 000 sfr ersteigerten. Jetzt ist es auf 35 000/50 000 Pfund geschätzt. Viele der Wappenstücke haben maßvolle Preise ab 3 000 Pfund. Dass Bonhams diese Spitzensammlung versteigert, ist aufschlussreich. Offensichtlich sehen die Hoffmeisters die Pflege des Sammelgebiets hier am besten aufgehoben.

„Wir haben keine künstlichen Mindestpreise, durch die das Angebot nach rein finanziellen Aspekten vorsortiert wird. Das ergibt keinen Sinn, da Sammler auch an sehr niedrig gepreisten Stücken riesige Freude haben“, begründet der Experte den Erfolg der Bonhams-Porzellanauktionen. Kuhn und seine holländische Kollegin Nette Megens waren 2007 von Sotheby’s zu Bonhams gewechselt. Kuhn hatte 2001 als Sotheby’s-Experte die mit Bruce Chatwins Roman „Utz“ in die Literaturgeschichte eingegangene Prager Sammlung Rudolf Just aufgespürt und versteigert.

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent

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