Auktionen bei Christie's und Sotheby's
Höchstpreise für das Beste

Die Kunst erweist sich als immun gegen alle Finanzkrisen. Die aktuellen Contemporary-Auktionen bei Christie's und Sotheby's in New York brachten einmal mehr Rekordergebnisse. Sotheby’s verzeichnete gar den “best sale ever” der Firmengeschichte.

NEW YORK. Auch in dieser Woche trotzten in den New Yorker Prestigeauktionen die Superreichen dieser Welt der Schwerkraft der Finanzkrisen. Christie’s Zugpferd “Post-War and Contemporary” fuhr am 13. triumphierende 348,3 (282/399) Mill. Dollar bei 95 prozentigem Absatz nach Losen und Wert ein. Dieses zweitbeste Ergebnis - nach 384,6 Mill. Dollar im vergangenen Mai, die von asiatischen 71,7 (25/35) Mill. für Warhols “Green Car Crash” gestützt wurden - stellt sich bei genauerem Hinsehen sogar als das bislang beste heraus, denn jetzt standen 21 Lose weniger zur Auswahl. Sotheby’s konterten am folgenden Abend dank globaler Beteiligung gar mit “best sale ever” der Firmengeschichte. 73 Zuschläge erzielten 362 (288/356) Mill. Dollar, 88 Prozent nach Losen und 87 Prozent nach Wert.

Auf jeden Fall kann sich Sotheby’s seit dem 14. wieder einmal mit dem Zuschlag für das teuerste zeitgenössische Bild rühmen, ein Titel den vor einem Jahr Mark Rothkos “White Center” bei 72,8 Mill. Dollar errang. Der seit anderthalb Jahren explodierende Markt Francis Bacons entlockte der Familie des südfranzösischen Weinhändlers Jean –Pierre Moueix das großformatige blutrünstige “Triptych” (1976). Nach einem über fünfminütigen langwierigen Gefecht in Millionenschritten wird es zu 86,2 (um 70) Mill. Dollar wieder in europäischen Besitz reisen.

Sotheby’s Angebot war um die hervorragenden Sammlungen Helga und Walther Lauffs, Krefeld, und Camille Oliver-Hoffmann, Chicago, komponiert. Sämtliche der größtenteils aus den 1960 Jahren stammenden 21 Lauffs-Werke wurden unter den Augen der angereisten Familie sehr erfolgreich zum Doppelten der eher konservativen Schätzung bei 96 Mill. Dollar abgesetzt. Yves Kleins makellos konservierte Monochrome beanspruchten als Schlüsselbilder der Sammlung Toppreise. Vor allem das besonders seltene goldene “MG 9” überschritt bei 23,6 (6/8) Mill. Dollar bei weitem die Hoffnungen des Hauses. Vier Bieter zeigten sich interessiert, zugreifen konnte schließlich Philippe Ségalot, der zu 17,4 (5/7) Mill. Dollar auch noch das wichtige “IKB 1” in perfekter Proportion für seinen Kunden am Handy sicherte.

Kurzzeitig war hier auch Dominique Levy von L&M Arts im Rennen. Sie mußte sich auch bei Jean Arps schönem bronzenem “Torse de Chorée” bei 1,6 Mill. Dollar geschlagen geben. Tom Wesselmans komplexe Assemblage “Great American Nude No. 48” illustriert fast jedes Pop-Art Kapitel in Kunstgeschichtsbücher und fand entsprechenden Eifer bei vier Bewerbern bis zu 10,7 (6/8) Mill. Dollar. Ivan Wirth, der gemeinsam mit David Zwirner 155 Werke der Sammlung Lauffs ankaufte, sicherte sich bei Christie’s unter anderem zusätzlich Donald Judds erste Bodenskulptur aus rot lackiertem Walzblech für 4,24 Mill Dollar. Eine größere Gruppe von Werken des Minimalismus brachte ermutigende Zuschläge für das als schwierig geltende, etwas vernachlässigte Gebiet: eine “Ikone” wie Dan Flavins ‘“monument” for V.Tatlin’ (1969) etwa verdoppelte bei 1,55 Mill. Dollar die Taxe.

In die jüngsten Angeboten des Abends reihte sich Takashi Murakamis lebensgroßer nackter “My Lonesome Cowboy” . Ganz hinten im Saal beobachtete der Künstler das langgezogene Gefecht um die anatomisch detaillierte Skulptur, die ein Lasso aus Ejakulat wirft. Erst bei 15,1 (3/4) Mill. Dollar siegte ein Telefonbieter. Unter die 10 Ruckgänge, die oft an zu hohen Taxen scheiterten, reihte sich schmerzhaft Mark Rothkos garantiertes Bild “Orange, Red, Yellow” (35 Mill. Dollar). Die matt und patiniert wirkenden Farbfelder hatten gegen das Exemplar bei der Konkurrenz keine Chance.

Bei Christie’s traf am Vortag “No. 15” (1952) mitten ins Schwarze des gegenwärtigen Geschmacks. Drei intensive rote Streifen auf gelbem Grund in einem begehrten quadratigen Format katapultierten sich zum Spitzenlos. Andreas Rumbler, Managing Director, Deutschland, erzielte am Telefon 50,5 (unveröffentlichte Taxe 35/45) Mill. Dollar. Eingeliefert hatte der Venture Capitalist Roger Evans aus San Francisco, der auch noch Sam Francis farbiges “Black” (5,2 Mill. Dollar) und Adolph Gottliebs “Cool Blast” (6,5 Mill. Dollar ) gegen neue Rekorde beisteuerte. Christie’s hatte für die garantierte Gruppe 46 Mill. Dollar erwartet, nahmen jedoch satte 62,2 Mill. Dollar ein. Rumblers Telefonkäufer bewarb sich auch erfolgreich um Gerhard Richters monumentalen Farbenrausch “Abstraktes Bild (625)” (1987), der erst bei 14,6 (7/10) Mill. Dollar weiterzog.

Bei Christie’s regierte kühle Zuruckhaltung den Saal. Mit Stars, die den Markt seit etwa fünf Jahren regieren, ging man auf Nummer sicher. Aber selbst da gab es in der dünnen Millionenluft der Spitzenlose häufig nur zwei Interessenten. Unerwartet kam die von Christie’s beobachtete amerikanische Dominanz bei 70 Prozent der Zuschläge, die Europa (26 Prozent) und Asien (4 Prozent) auf die Plätze verwies. Die School of London mit Lucian Freud und Francis Bacon schob sich auch hier nach vorn.

Freuds Riesenakt von Sue Tilley auf schäbigem Blumensofa, “Benefits Supervisor Sleeping”, hatte der Londoner Investmentbanker Guy Naggar gegen den gewaltigen Preis von 33,6 (25/35) Mill. Dollar eingetauscht. Richard und Elizabeth Hedreen aus Seattle lieferten Francis Bacons “Three Studies for Self-Portrait” (1976), das zu 28 Mill. Dollar weiterzog, dabei hatten sie vor drei Jahren nur 5,2 Mill. Dollar ausgegeben. Auf dem dritten Rang der abendlichen Top Ten fand sich eines der selteneren Sujets Andy Warhol, Marlon Brando im gewalttätigen Bandenfilm “The Wild One”, wieder. Um “Double Marlon” aus dem Besitz von Peter Simon, Eigentümer der britischen Modekette Monsoon, wurde heftig geworben. Ein anonymer Telefonbieter siegte bei 32,5 (25/35) Mill. Dollar gegen Ken Yeh, der wahrscheinlich wieder für einen asiatischen Klienten bot. Tom Wesselmans “Smoker #9” (1973) in den isolierten Umrissen eines Mundes mit manikürter Frauenhand erzielte 6,7 (4/6) Mill. Dollar durch ein Telefon, unterboten vom Megasammler Mugrabi.

Unter die nur drei Rückgänge reihte sich Roy Lichtensteins schwarz-weißer “Ball of Twine” ein, der 2001 von Großsammler Peter Brant aus der Sammlung Ströher für 4 Mill. Dollar erworben und nun zu ehrgeizig auf 14/18 Mill. Dollar taxiert wurde. Bei 12 Mill. Dollar war jedes Interesse erloschen. Aber Christie’s Testlauf, mit Richard Neutras berühmtem “Kaufmann House” eine Immobilie in einer Abendauktion anzubieten, verlief erfolgreich. Nachdem 75 Interessenten das Haus des Investmentmanagers Brent Harris und Beth Edwards besichtigt hatten, zahlte einer von zwei Telefonbewerbern den sehr hohen Erwartungen entsprechend 16,8 (15/25) Mill. Dollar. Er wird auch das Vorkaufsrecht zum angrenzenden Grundstück zu 2,1 Mill. Dollar mitsamt den drei Kakteen wahrnehmen, die Frank Lloyd Wright dem Bauherrn Kaufmann bei einem Besuch geschenkt hatte.

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