Auktionen im Kinsky
Aus dem Haushalt eines Hosenfabrikanten

Vielseitiger Kehraus in Wien: „Im Kinsky“ kommen in der letzten Auktionswoche des Jahres Werke und Objekte aus sieben Sparten unter den Hammer. Unter ihnen Schmuck zu günstigen Rufpreisen und weitere Hinterlassenschaften der Manufaktur Hiltl.  

WienSieben Kataloge zu sieben Sparten umfasst die zum Saisonausklang von „im Kinsky“ kredenzte Auswahl für die 109. Versteigerungssause (ab 24. bis 26. November 2015). Sie kommt zeitgleich zu der im Dorotheum anberaumten Auktionswoche unter den Hammer. Das Schätzwertvolumen beläuft sich auf knapp zwölf Millionen Euro, wobei ein Teil des Angebots unter weniger geläufigen Konditionen den Besitzer wechseln soll.

Konkret geht es um die Hinterlassenschaft der im bayerischen Sulzbach-Rosenberg angesiedelten Hosenfabrikanten Hiltl, eine Kollektion, die in den 1980er- bis 1990er-Jahren entstand, als der Antiquitätenhandel noch florierte. Zuletzt schmückten die hauptsächlich aus der Barockzeit stammenden Kunstgegenstände das Anwesen von Hedwig Hiltl am Tegernsee.

Keine Gewähr für die Echtheit

Vergangenes Jahr verstarb die Witwe des Begründers der Hosenmanufaktur und nun wird der künstlerische Hausrat sowie eine Schmuckkollektion im Auftrag der Erbengemeinschaft versteigert. Laut Katalogangaben übernehmen weder die Erben noch das Auktionshaus eine Gewähr für die Richtigkeit der Beschreibung oder für die Echtheit der Objekte. Dafür locken überaus günstige Rufpreise, die gleichzeitig als Mindestgebot fungieren.

Beispielhaft etwa bei Schmuck, der zu einem Siebtel des Wiederbeschaffungswertes im Einzelhandel von 2005 ausgerufen wird. Für 10.000 statt 70.000 Euro etwa das weißgoldene Aquamarin-Collier mit Diamanten (ein Aquamarin 34,50 ct, 1030 Brillanten 5,15 ct, 24 Diamtanten, 0,5 ct). Die Nachfrage, bestätigt Kinsky-Geschäftsführer Michael Kovacek, sei schon im Vorfeld enorm.

Großes Interesse generieren dem Vernehmen nach etwa um 1735/40 in Meissen gefertigte 42,5 cm großes Augustus-Rex Balustervase, die ebenso für 5.000 Euro zum Aufruf gelangt wie eine zeitgleich datierte Augustus-Rex Deckelvase, die Hiltls 1992 für 50.000 DM im Kölner Antiquitätenhandel erworben hatten.

Künstler der Zwischenkriegszeit

Das an Qualität stärkste Aufgebot wartet in der Sektion Klassische Moderne. Es beinhaltet neben Werken weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannter Namen auch eine Reihe von bislang zu wenig beachteten Künstlern der Zwischenkriegszeit. Aus US-amerikanischen Privatbesitz importierte man etwa Alfons Waldes klassisches Motiv „Einsamer Berghof“ (um 1934), das bis zu 360.000 Euro oder mehr einspielen soll.

Neue Sachlichkeit

Mit kunsthistorischer Güte überzeugen hingegen die der Neuen Sachlichkeit zugehörigen Werke des Vorarlbergers Rudolf Wacker. Fein nuancierte Farbflächen und subtil gesetzte Schattenpartien sind ebenso charakteristisch für seine Malerei, wie eine metaphorisch verschlüsselte Sprache: „Stillleben mit Fettpflanze“ betitelte er 1931 das visuelle Arrangement, in dem Fettpflanze und Kaktus über sinnlich-runde Blätter und eine stachelig-aggressive Form das weibliche und männliche Prinzip symbolisieren (Taxe: 100.000 bis 200.000 Euro). Dass der Künstler ein wahrer Kakteenliebhaber war und auf dem Dachgarten seines Hauses besondere Arten züchtete, sei nur am Rande erwähnt.

Auf dem Balkon gemalt

Aus Südtiroler Privatbesitz stammt ein klassischer Leo Putz: Für das nach 1933 geschaffene, auf Holz gemalte „Genoveva (Märchenprinzessin im Baum)“ liegen die Erwartungen bei 25.000 bis 50.000 Euro. Mit einem gefälligen wie zeitlosen Motiv könnte Carl Molls „Venedig mit Santa Maria della Salute“ von 1926 zum Schätzpreis von 35.000 bis 70.000 Euro punkten. Es dürfte der Stiefvater Alma Mahler-Werfels am Balkon des Hotel Monacos gemalt haben.

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Aus dem Haushalt eines Hosenfabrikanten

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Auf Kupfer gemalte Allegorie

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