Auktionshäuser
Rückkehr eines Ambitionierten

Otto Hans Ressler, Mitbegründer des Wiener Auktionshauses „Im Kinsky“, leitet nun sein eigenes Versteigerungsunternehmen und will hoch hinaus. Er strebt die Marktführerschaft in Sachen österreichischer Kunst nach 1945 an.
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Die österreichische Auktionsszene hat einen Neuzugang gekommen. Mit dem unlängst gegründeten Unternehmen „Ressler Kunst Auktionen GmbH“ tritt ein weiterer Akteur auf die Bühne der Wiener Kunstversteigerer. Bislang war die Branche mit lediglich drei Häusern äußerst überschaubar. Und gemessen an den durch Akquisitionen im Ausland aufgestockten Umsätzen waren die jeweiligen Marktanteile seit Jahren unverändert. Schätzungsweise 180 Millionen Euro hat das Wiener Triumvirat pro Jahr eingespielt. Das größte Stück des Kuchens beansprucht das erst 2001 privatisierte Traditionsunternehmen Dorotheum. In ca. 600 Auktionen jährlich setzt das einstige Pfandhaus des österreichischen Kaisers rund 150 Millionen Euro um. Kleinere Brötchen bäckt das 1993 gegründete „Im Kinsky“. Es erwirtschaftet mit fünf Auktionen einen Jahresumsatz von etwa 25 Millionen Euro. Fernab von diesen Summen bewegt sich die Bilanz der One-Man-Show des Wolfdietrich Hassfurther, der mit zahlreichen Rekorden für Alfons Walde für Aufmerksamkeit sorgte. Er hämmert in zwei Auktionen pro Jahr circa vier Millionen Euro zusammen.

Alter Branchenkenner

Ganz fremd ist die „Ressler Kunst Auktionen GmbH“ den Wiener Konkurrenten nicht. Wie der Firmenname verrät, handelt es sich bei dem Neuling um einen „alten“ Bekannten: Otto Hans Ressler, der die für den Pensionsantritt erforderlichen Arbeitsjahre längst beisammen hätte. 15 davon war er im Dorotheum unter anderem als Leiter der Kunstabteilung tätig. Prägende 18 Jahre verbanden den Mitbegründer und Geschäftsführer mit dem Versteigerer „Im Kinsky“. Mitte 2011 hatte er dort diese Position aufgegeben, blieb bis März vergangenen Jahres dem Unternehmen jedoch als Auktionator und Experte für zeitgenössische Kunst erhalten. Danach wollte er sich nur noch seiner schriftstellerischen Leidenschaft widmen, begründete der Teilzeitpensionär damals seinen Abgang.

Einbindung von Finanziers

Der Abschied aus der Branche war allerdings kein endgültiger. Abseits der Öffentlichkeit blieb der 65jährige nicht untätig. Erst jüngst agierte er als Experte, als es um den Verkauf der Sammlung Essl ging. Seine Gutachten sollten als Grundlage für die Verhandlungen mit dem Staat dienen. Auch wurde er mit der Verwertung „einzelner Kunstwerke, Sammlungen oder ganzer Nachlässe“ beauftragt. „Ohne die Strukturen eines Auktionshauses“, wo auf Knopfdruck eine Liste potenzieller Kunden verfügbar sei, „war das manchmal recht mühsam“, gesteht Ressler.
Für die Finanzierung des neuen, mehr oder weniger eigenen Auktionshaus hat er Partner eingebunden. Dazu gehören der Immobilienentwickler Valentin Basilides und Finanzdienstleister Markus Schmut. Mit im Boot sitzt auch der Fotospezialist Peter Coeln, der Betreiber des Fotomuseums WestLicht und des gleichnamigen Fotographika-Auktionshauses. Zudem ist er Inhaber der Galerie OstLicht und fungiert zugleich als Quartiergeber.

Zwei Auktionen pro Jahr

Vorerst sind jährlich zwei Versteigrungen mit 120, höchstens 150 Kunstwerken geplant. Die erste Auktion soll im Frühjahr 2015 stattfinden. Das angepeilte Umsatzziel? Fürs erste „eine Hammerpreismillion je Auktion“, kalkuliert Ressler. Die eine oder andere Attraktion sei ihm von Verkaufswilligen bereits zugesagt worden. Was „sein“ Auktionshaus von anderen hierzulande unterscheidet? Nicht vieles, aber manches. Der Nachverkauf etwa soll über eine Online-Auktion laufen. Ein eigenes Profil gewinnen will der neue Mitbewerber vor allem aber durch den Focus auf Österreichisches. Zeitlich will sich die „Ressler Kunst Auktionen GmbH“ auf die Klassische Moderne und hochwertige Kunst nach 1945 konzentrieren. In letzterem Segment strebt Otto Hans Ressler nicht weniger als die Marktführerschaft an.

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