Auktionshaus Christie's Da Vinci-Gemälde sprengt alle Rekorde

Einige bezeichnen das Bild als „männliche Mona Lisa“, andere beklagen den schlechten Zustand. Doch ein Käufer bezahlt am Ende 450 Millionen Dollar für Da Vincis „Salvator Mundi“ – auch dank gelungenen Marketings.
Update: 16.11.2017 - 09:06 Uhr 1 Kommentar

450 Millionen Dollar für Da Vinci – So ist der Rekordpreis entstanden

450 Millionen Dollar für Da Vinci – So ist der Rekordpreis entstanden

New YorkSchon bei 200 Millionen Dollar klatschen und jubeln die 1000 Kunstsammler und Schaulustigen im Saal. „Bitte“, versucht Jussi Pylkkanen, Auktionator und Chef des Auktionshauses Christie's, die Menge zu beruhigen. Denn das war es noch lange nicht: 205, 220, 225, 230, 235 – ein Angebot jagt am Mittwochabend (Ortszeit) in New York das nächste, so dass irgendwann sogar Pylkkanen mit den Zahlen durcheinander kommt.

Bei 300 spricht der Auktionator dann von einem „historischen Moment“, bei 400 Millionen Dollar fällt nach 19 Minuten Bieterwettstreit der Hammer: Mit Gebühren ist der Posten 9B, das Gemälde „Salvator Mundi“ von Leonardo da Vinci (1452-1519), für 450 Millionen Dollar verkauft worden – das sind etwa 383,6 Millionen Euro und mehr als bislang jemals weltweit bei einer Auktion für ein Kunstwerk bezahlt worden ist. Rekord.

Pylkkanens Stimme überschlägt sich fast, als er den Preis verkündet. „Danke euch allen für eure Gebote.“ Die Zuschauer im Saal brechen in Jubel, Johlen und Klatschen aus, viele knipsen Erinnerungsfotos mit ihren Handys.

Wer die Rekordsumme nun bezahlen muss und dafür ein von Vielen in Anlehnung an das wohl bekannteste Da Vinci-Bild als „männliche Mona Lisa“ gefeiertes Werk bekommt, gibt das Auktionshaus zunächst nicht bekannt. Das Gebot wurde per Telefon dem Christie's-Spezialisten Alex Rotter überbracht, daraufhin gab ein anderer Telefonbieter, der lange mitgehalten hatte, auf. Den bisherigen Rekord für das teuerste bei einer Auktion versteigerte Werk hatte das Gemälde „Les femmes d'Alger“ von Pablo Picasso gehalten, das 2015 für rund 180 Millionen Dollar versteigert worden war.

„Salvator Mundi“ übt eine spezielle Anziehungskraft aus. Laut Christie's ist es das letzte bekannte Gemälde von Da Vinci in Privatbesitz, insgesamt sind von dem italienischen Künstler überhaupt nur weniger als 20 Gemälde bekannt. Vor der Versteigerung hatte Christie's das um 1500 entstandene Porträt von Jesus Christus in Öl auf Walnussholz in Hongkong, London, San Francisco und der New Yorker Filiale nahe dem Rockefeller Center gezeigt.

Neue Rekorde für Bilder des Impressionismus
Vincent van Gogh „Laboureur dans un champ”
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Einen Bauern, der frühmorgens den Pflug hinter seinem Pferd durch den Acker lenkt, sah Vincent van Gogh, als er Ende August, Anfang September 1889 morgens aus dem Fenster blickte. Das animierte ihn so, dass er – erstmals nach seiner Einweisung in die Psychiatrie – wieder zu malen begann. 128 Jahre später wird diese Szene für 81,3 Millionen Dollar versteigert. Der Schätzpreis lag bei 50 Millionen.

Marc Chagall: „Les Amoureux”
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Bella war Marc Chagalls größte Liebe und seine erste Frau. Gleich im Entstehungsjahr 1928 wurde das intime Bildnis verkauft und blieb anschließend fast 90 Jahre im Familienbesitz. Jetzt trug es ein Russe heim für 28,5 Millionen Dollar (Schätzpreis 12 bis 18 Millionen Dollar). So viel wurde auf einer Auktion noch nie für ein Werk des Künstlers gezahlt.

René Magritte „L’empire des lumières”
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Nachdem René Magritte „L’empire des lumières“ gemalt hatte, kam ihm die Idee, dass Tag und Nacht in der Tat tatsächlich gleichzeitig auf der Welt existieren. Für das Zusammentreffen eines taghellen Himmels mit einer nächtlichen Straßenszenerie erwärmte sich als Erster der Bankier und Kunstförderer Nelson A. Rockefeller. Nun wechselte das Bild für 20,6 Millionen oberhalb der oberen Taxe den Besitzer.

Vilhelm Hammershøi „Interior with Woman at Piano”
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Vilhelm Hammershøi gehört seit Jahren zu den sehr stark gefragten Malern der skandinavischen Moderne. Typisch für ihn sind spartanische Interieurs in allen Grauschattierungen und eine altmeisterliche Anmutung. Mit den 6,2 Millionen Dollar setzt Sotheby’s einen neuen Auktionsrekord für den Dänen. Die Taxe lag bei 2,5 bis 3,5 Millionen Dollar. Als Sotheby’s das Bild 1993 versteigerte, erzielte es 101.500 Dollar.

Pablo Picasso: „Le Viol”
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Top-Los der von Sotheby’s offerierten Papier-Arbeiten wurde Pablo Picasso’s Vergewaltigungszene „Le Viol“. Die präzise Datierung auf den 2. Mai 1940 verrät den überaus produktiven, mit vollem Bewusstsein im Wettstreit mit der verrinnenden Zeit schaffenden Künstler. Für eine Zeichnung sind die erzielten 8,7 Millionen Dollar ein enormer Preis.

Claude Monet „Les Glaçons, Bennecourt”
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Ein asiatischer Bieter sicherte sich diese duftige Winterlandschaft für 23,4 Millionen Dollar im Rahmen der angepeilten Taxe von 18 bis 25 Millionen Dollar. 1983 kam die Ansicht schon einmal bei Sotheby’s unter den Hammer und erzielte 605.000 Dollar. Erster Besitzer war der Sammler und Philanthrop Louisine Havemeyer. Er erwarb das Bild 1897, vier Jahre nach seiner Entstehung.

Emil Nolde „Indische Taenzerin”
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Vier Jahre lag Emil Noldes Reise nach Neuguinea zurück, als er aus dem Gedächtnis seine „Indische Tänzerin” schuf. Das 1917 entstandene Gemälde erzielte etwas mehr als Doppelte seiner unteren Schätzung und kam auf 5,3 Millionen Dollar. Das ist ein neuer Höchstpreis für Nolde auf dem Auktionsmarkt.

Fast 30.000 Menschen kamen, um es anzuschauen, darunter Stars wie Leonardo DiCaprio, Alex Rodriguez, Patti Smith und Jennifer Lopez. Einen größeren Andrang hat Christie's noch nie für ein einzelnes Werk verbucht. Erstmals hatte das Auktionshaus auch eine eigene PR-Agentur für ein einzelnes Werk engagiert. Die Bewunderer hatten über die vergangenen Wochen geduldig Schlange gestanden, um einen Blick auf das Werk werfen zu können, das vor der New Yorker Auktion auf einer Werbetournee auch in London, Hongkong und San Francisco Station gemacht hatte. Hier und da geriet mancher vor der Holztafel mit dem blondgelockten Jüngling angeblich sogar in quasi-religiöse Verzückung.

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1 Kommentar zu "Auktionshaus Christie's: Da Vinci-Gemälde sprengt alle Rekorde "

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  • Letztlich ist auch das ein Beispiel für eine AUFBLÄHUNG der Vermögenspreise (Asset-Inflation).
    Was die Mainstream-Ökonomen dagegen - verschleiernd - als Inflation definieren, findet dagegen (bis jetzt) kaum statt: Teuerung bei den Verbraucherpreisen.
    Die Geldklempner von den Zentralbanken verstehen eben nicht (oder wenn sie es tun, dann ist es umso verheerender), dass durch ihre Gelddruckerei in erster Linie eine Vermögensumverteilung (infolge des Cantillon-Effektes) stattfindet. Wollten sie dagegen tatsächlich eine allgemeine Teuerung bei den Verbraucherpreisen (was sie als "Inflation" definieren), dann müssten sie in der Tat Frischgedrucktes in rauen Mengen mit dem Hubschrauber abwerfen, wie "Heli-Ben" einst tönte.
    So blähen sich als (fast) nur die Vemögenspreise auf - wie im Beispiel hier die auf dem Kunstmarkt. Gemälde von Da Vinci werden ja nicht mehr produziert (abgesehen von Fälschungen), es gibt also nur eine verhältnismäßig geringe Menge von ihnen, und sie werden von sehr vielen Menschen stark wertgeschätzt (was eben nicht bedeutet, dass Sie selber diese Gemälde auch für wertvoll erachten müssen -> subjektive Werttheorie von Carl Menger).
    Die Preisaufblähung auf dem Kunstmarkt auf einen kurzen Blick:
    2004 ca. 100 Millionen USD für ein Picasso-Gemälde, 2011 ca. 250 Millionen USD für eines von Cezanne - und nun sind wir schon bei 450 Millionen.

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