Auktionshaus Jeschke - Van Vliet
Großes Aufgebot gehorteter Sowjetkunst

Der sozialistische Realismus des ehemaligen Sowjetstaats hat nicht gerade Marktkonjunktur. In den letzten zehn Jahren sind immer wieder Bilder ehemaliger Staatskünstler in die Londoner Auktionen eingeflossen - vorsichtig dosiert in einem weniger programmatischem Umfeld. Am 6.11. will das Berliner Auktionshaus Jeschke - Van Vliet 140 Bilder versteigern.
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BERLIN. Mit einem Großaufgebot von 259 Gemälden, die in den letzten zehn Jahren von einer italienischen Sammlergruppe gehortet wurden (weitere 300 sind noch im Fundus), wagt das Berliner Auktionshaus Jeschke - Van Vliet den Marktsprung, Alle Bilder sind verkäuflich. Frisch gereinigt und restauriert waren sie bis zum 30.10. in der Schützenstraße zu besichtigen. Am 6.11. soll eine Auswahl von 140 Exponaten zur Versteigerung kommen.

Die Sankt Petersburger Hängung bot einen ermüdenden Einblick in das Motivarsenal mediokrer Sowjetmalerei von 1937 bis in die Mitte der achtziger Jahre. Wer soll diese mehr historisch als kunsthistorisch relevante Kunst kaufen? Die Auktionatoren hoffen auf ein internationales Publikum, das sich an der Schnittstelle zwischen Ost und West mit einstiger Staatskunst bedient. Doch selbst die Russen kaufen sehr selektiv. Im Moskauer Auktionshaus Sovkom war eine entsprechende Versteigerung im Dezember 2007 ein Flop, da weniger als die Hälfte der unteren Gesamtschätzung von 3,4 Mio. Dollar erreicht wurde.

Prominente Künstler wie Cherbakow, Serow, Deineka sind in Berlin nicht vertreten. Dafür gibt es 30 Propagandabilder mit der Kultfigur Lenin. Das größte zeigt den Protagonisten in heroischer Rednerpose. Es stammt von dem Charkower Maler L.T. Pribluda und ist auf 32 000 Euro angesetzt. Teuerster Künstler ist hier der 1908 in Kiew geborene A.N. Bogdanow, dessen patriotisch lächelnde Fallschirmspringerin von 1937 auf 60 000 Euro angesetzt ist. Es gibt neben politischen Motiven auch die obligaten Bauern- und Arbeiterbilder, Hafenszenen und Festivitäten, Kinderporträts und ländliches Genre. Die Gesamtschätzung der 259 Werke liegt bei 2,5 Mio. Euro. Es bleibt abzuwarten, ob die Rechnung aufgeht. Denn die meisten dieser Bilder tragen das Stigma aller Staatskunst: Ideologie erstickt das Kunstwollen.

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