Auktionshaus Lempertz
Millionenpreis für ein schielendes Monster

Am Donnerstagabend fiel im Auktionshaus Lempertz der Hammer für das teuerste je in Deutschland versteigerte Porzellan. Ein japanischer Sammler bezahlte für eine Löwenfigur aus Meissen einen Rekordpreis.
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KölnDas Kölner Auktionshaus Lempertz hat seine und die gesamte deutschen Auktionsbilanz um eine neue Rekordnotierung erweitert. Mit einem Zuschlag von 900.000 Euro, was sich mit Aufgeld und Steuer auf einen Bruttopreis um die 1,1 Millionen Euro summiert, avancierte am Donnerstagabend eine Meissen-Skulptur zum teuersten Porzellan, das je in Deutschland versteigert worden ist.

Eine Überraschung war das nicht. Denn das Objekt, eine 74 cm hohe sitzende Löwin von Meissens erstem Bildhauer  Johann Gottlieb Kirchner, gehört zu den außerordentlich raren großen Tierskulpturen, die August der Starke in den frühen 1730er Jahren für seine Porzellan-Menagerie im Japanischen Palais in Auftrag gegeben hatte, und war allemal für einen Millionenpreis gut. Bislang waren nur drei Exemplare dieser expressiven Tierfigur bekannt, zwei in der Dresdner Porzellansammlung, eins in der Sammlung Schneider. Die nun angebotene vierte Ausformung befand sich seit 1939, seit die Wettiner sie an den Architekten Wilhelm Kreis verkauft hatten, im Besitz der Familie. Jetzt „verlässt das Stück Europa“, merkte Auktionator Henrik Hanstein an, nachdem er das absolute Highlight der Herbstauktionen zum mittleren Schätzpreis einem japanischen Sammler zugeschlagen hatte. Der Gegenbieter kam aus England, Deutsche gab es nicht unter den insgesamt drei Interessenten.

Generell  wurde die 259 Nummern umfassende Porzellan-Sektion verhalten aufgenommen. Expertin Ingrid Gilgenmann: „Porzellan ist ein sehr schwieriger Markt geworden.“ Selbst beim frühen Meissen und beim Berliner Porzellan, beides traditionelle Lempertz-Domänen, gab es empfindliche Rückgänge und kaum Preisausbrüche nach oben. So konnte das Prachtstück unter den KPM-Vasen, die mit einem üppigen Blumenband verzierte sog. Münchner Vase, die auf 80.000 bis 120.000 Euro geschätzt war, nur  mit Vorbehalt bei 75.000 Euro zugeschlagen werden, und während die Ansichtsvase mit den feinen Glienecke-Darstellungen mit 19.000 Euro die Taxe  verdoppelte, rührte sich für andere repräsentative Ansichtsvasen Stücke keine Hand.

Ganz im Gegensatz zu dem  allgemeinen „Trend zu Labels: beste Periode, größte Maler“ (Gilgenmann) manifestierte sich mit Verve einmal mehr ein neuerer Trend zu den sog. „zweiten Zeiten“, den überladenen  historistischen Stücken. So schnellte eine Meissener Saturn-Gruppe aus dem späten 19. Jahrhundert (nach Kändler-Modell) von 3000  auf 14.000 Euro, und ein Kandelaber-Paar stieg zügig von 2000 auf 6000 Euro. Beide Male sorgten, wie fast immer, Osteuropäer für die Preisexplosion.

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