Auktionshaus Van Ham
Weltrekord made in Cologne

Das Kölner Auktionshaus Van Ham hat den ersten deutschen Millionenzuschlag in diesem Jahr erzielt. 1,9 Millionen Euro erzielte ein Werk des Orientalismus - und puscht damit den Gesamtumsatz.
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Köln

Jahrzehntelangzog das stattliche Gemälde im Konferenzzimmer einer mittelständischen Textilfirma im Ruhrgebiet und später im Privathaus des Unternehmers bewundernde und verwunderte Blicke an. Ein exotischer Fremdkörper, der in melodramatischer Zuspitzung zeigt, wie ein von einem Löwen angefallenes Pferd in panischer Angst mit weit aufgerissenem Auge über die Felskante in einen Abgrund springt. Der orientalische Reiter hat den Säbel weggeworfen und klammert sich verzweifelt an einen Ast.

Die Fachwelt hatte keine Ahnung von der Existenz des Meisterwerks mit dem Titel "In letzter Not". So kam es einer sensationellen Entdeckung gleich, als der Kunstvermittler Sascha Tyrra das Bild ins Kölner Auktionshaus Van Ham trug und es von dem Südostasien- und Raden-Saleh-Experten Werner Kraus als eigenhändiges Werk des javanischen Prinzen Raden Saleh ausgewiesen wurde. Der in Europa zum Maler ausgebildete Prinz hatte sich im spätromantischen Dresden so begabt wie geschäftstüchtig als Orientalist profiliert, bevor er 1851 nach Indonesien zurückkehrte.

In Deutschland bald so gut wie vergessen, galt und gilt die "schillernde" Gestalt Saleh in seiner Heimat als bedeutender künstlerischer Wegbereiter. Schlagzeilen machte er erstmals wieder 2005, als eine "Löwenjagd" bei Van Ham für 660.000 Euro, zur dreifachen unteren Taxe verkauft wurde - an einen indonesischen Sammler. Daran orientiert, wurde die signierte und 1842 datierte Neuentdeckung am 13. Mai in Köln-Bayenthal aufgerufen: mit einer Taxe von 400.000 bis 600.000 Euro und insgeheim höheren Erwartungen.

Es dauerte rund 20 zähe Minuten, bis erst vier, dann drei Telefonbieter in 50.000er-Gebotsschritten die Sensation perfekt machten. Am Ende fiel der Hammer bei 1,6 Millionen Euro (inklusive Aufgeld 1,95 Millionen). "Wir sind stolz darauf, dass wir einen internationalen Rekordpreis auch in Deutschland erreichen konnten", erklärte Van-Ham-Inhaber Markus Eisenbeis mit Understatement nach diesem Einstieg in die Kunstmarkt-Oberliga. Der Käufer soll einmal mehr ein steinreicher indonesischer Sammler sein.

Die Abteilung der älteren und neueren Meister konnte auch sonst mit einigen, wenn auch deutlich kleineren Highlights reüssieren. So ging Philipp Otto Runges bezaubernder Scherenschnitt "Der Tempel des Glücks" mit 53.000 Euro (netto) zur mittleren Taxe an einen Auftragskäufer. Ein kleines Corot-Bild ließ sich zur fast oberen Taxe für 52.000 in die USA verkaufen. David Vinckboons figurenreiche Darstellung von "Christus mit dem Hauptmann von Kapharnaum" vor tief gestaffelter Landschaft fiel dagegen ebenso durch wie Spitzwegs "Angelnder Mönch". Spitzweg fehlte wohl, so Van-Ham-Kunstexperte Reinhard Singer, jener beliebte ironische Ton, der ein Bild so in Rekordhöhen abheben lässt. Und schließlich wurde auch Raden Saleh ein Opfer der strengen Selektivität: Sein vor zwei Jahren schon einmal vergeblich aufgerufenes Bild eines Arabers vor seinem toten Pferd blieb trotz deutlich reduzierter Taxe (25.000 Euro statt der damaligen 35.000) wieder auf der Strecke.

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