Auktionsmarkt in der Krise: In Italien verzerrt der Staat den Kunstmarkt

Auktionsmarkt in der Krise
In Italien verzerrt der Staat den Kunstmarkt

Der italienische Auktionsmarkt ist im Umbruch: Eingesessene Traditionshäuser verschwinden, aber auch die Global Player müssen kämpfen.
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RomVon den Inländern hält nur mehr das auf moderne und zeitgenössische Kunst spezialisierte Haus Farsettiarte mit den Auktionsmultis mit. Das Auktionshaus Finarte ging pleite. Der Markt für Alte Kunst brach ein.

Auf den ersten Blick sollte man meinen, dass der italienische Auktionsmarkt sich relativ guter Gesundheit erfreut. Die Bilanzen der Auktionshäuser für das Jahr 2011 sehen so übel nicht aus. An der Spitze erfolgte ein harter Schlagabtausch. Christie's hat mit Einnahmen in Höhe von 28,1 Millionen Euro (inklusive Aufgeld ohne MwSt.) Sotheby's das Führungszepter wieder aus der Hand gerissen, der Versteigerer belegt mit 26,7 Millionen Euro jedoch einen würdigen zweiten Platz. In weitem Abstand folgt Farsettiarte mit 13 Millionen Euro.

Was wie ein bescheidenes Ergebnis anmutet, ist in Wahrheit der beachtliche Erfolg einer Strategie, die das Haus seit seiner Gründung 1962 hartnäckig verfolgt. Farsettiarte hat sich auf die moderne und zeitgenössische Kunst spezialisiert, und das macht sich jetzt bezahlt. Farsettiarte ist, zumindest was den oberen Marktbereich betrifft, tatsächlich das einzige Haus, das überlebt hat. 2010 blieb San Marco Auctioneer aus Venedig auf der Strecke, der seinerseits ein Spross des ehemaligen Auktionshauses Semenzato war, das 2002 mit Finarte fusionierte. In diesem Jahr war dann Finarte selbst an der Reihe. Schon 2010 liefen die Geschäfte so schlecht, dass das Haus seine Bilanzen der Presse nicht mehr mitteilte. Im Frühjahr meldete der Versteigerer dann Konkurs an, am 1. Juli ging er in Liquidation. Die Schulden belaufen sich auf 11 Millionen Euro. Die Summe verringerte sich geringfügig dank einer letzten Auktion am 12. Oktober, auf der die Restbestände aufgerufen und durch die Bank unter ihrem Schätzwert verkauft wurden.

Mit Finarte endete ein Kapitel der italienischen Auktionsgeschichte, denn es ist noch nicht lange her, dass das Haus die angelsächsischen Häuser mit brillanten Ergebnissen weit hinter sich ließ. Über 60 Millionen waren es 2006, danach ging es Schritt für Schritt bergab. Zum einen aufgrund gesellschaftsinterner Probleme, zum anderen aufgrund der Finanzkrise, die den italienischen Markt nachhaltig in Mitleidenschaft zog. Atmen die Auktionsmultis heute wieder auf, liegt das weniger an einer vermeintlichen Erholung von der Flaute, von Aufschwung ganz zu schweigen, als an ihrem Kurswechsel: Sie speckten ab. Ein Trend, der, sollte er weitergehen, zu einem Rückzug der Global Player aus dem italienischen Markt führen könnte. Womit in Italien dann die „Lokalität“ gesiegt hätte. Leider scheint das Land auf dem besten Weg dorthin zu sein.

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Markt für Alte Kunst ist eingebrochen

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