Auktionsmarkt Italien
Junge Kunst verdrängt Alte Meister

Italienische Sammler bevorzugen die moderne und zeitgenössische Kunst. Die führenden Versteigerer haben daraus die Konsequenzen gezogen und der jungen Kunst eine Art Monopolstellung verschafft. Das Nachsehen haben die Sammler Alter Kunst.
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RomSotheby’s und Christie’s konzentrieren sich in Italien auf die Sparte der Gegenwartskunst und sind mit dieser Strategie offenbar sehr erfolgreich. Das haben die Ergebnisse der Frühjahrsauktionen in Italien gezeigt. Allerdings wird der Markt auf diese Weise von der jungen Kunst monopolisiert; die Sammler Alter Kunst haben das Nachsehen.

Das erste Halbjahr 2012 galt als Prüfstein für die neue Marschrichtung, die sich dem Motto „weniger ist mehr“ verschrieben hat. Die Konzentration auf nur einen Bereich war schon seit längerer Zeit angekündigt worden. Verständlich, dass die Wahl auf die Sparte der modernen und zeitgenössischen Kunst fiel, war sie doch die einzige, die in den letzten Jahren die Bilanzen der Häuser gerettet hatte. Da sich neben den angelsächsischen Versteigerern nur noch der italienische Versteigerer Farsettiarte behaupten kann, dessen Steckenpferd ohnehin die junge Kunst ist, wird ihr heute nahezu eine Monopolstellung auf dem italienischen Auktionsmarkt zuteil.

Wenig Alternativen

Eine Ausnahme machte zwar Christie´s, als es am 30. Mai in Mailand einen schmalen Katalog der Alten Meister aufrief; doch lässt das bescheidene Ergebnis von 1,4 Millionen Euro die Vermutung zu, dass es ein letzter kläglicher Versuch war, den Markt mit Alternativen zur jungen Kunst zu beleben. Diese liefert ihrerseits eine - zumindest für italienische Verhältnisse - durchaus ansehnliche Performance, trotz der schweren Wirtschaftskrise, die das Land beutelt.

Christie´s konnte seinen Umsatz von 7,9 Millionen im Vergleichszeitraum des Vorjahrs auf 9,7 Millionen Euro verbessern. Es ist für das Haus das beste Ergebnis seit dem Krisenjahr 2008. Dies ist vor allem auf die deutlich höheren Zuschläge im oberen Bereich zurückzuführen. Allein der Höchstzuschlag der Saison war doppelt so hoch wie im Frühjahr 2011. Damals führte Lucio Fontana mit 731.600 Euro die Liste der Toplose von Christie’s Mailand an (24. Mai); diesmal übernahm Alberto Burri die Spitze, nicht zuletzt beflügelt von den 3,6 Millionen Euro, die eine „Combustione Legno“ auf der Londoner Oktober-Auktion von Sotheby’s 2011 erzielt hatte, ein internationaler Auktionsrekord. In Mailand wurde Ende Mai für die reliefartige Collage „Plastica“ mit eingeschmolzenem Plastik, Leinenfetzen und Kunststoff (1962) 1.5 Millionen Euro inklusive Aufgeld geboten. Das entspricht dem italienischen Auktionsrekordpreis des 1995 verstorbenen Künstlers.

Burri auf den ersten beiden Rängen

756.800 Euro erzielte auf der gleichen Christie’s-Auktion ein weiteres Burri-Werk, eine Collage aus Papier, Leim und Kunststoff

in erdigen Farben: „Combustione E 2“. Damit belegt Burri bei Christie’s auch Platz Zwei der Top-Ten, noch vor dem beliebten Lucia Fontana. Er wurde Dritter mit 693.800 Euro, die für ein weiß grundiertes "Raumkonzept" mit vier Schnitten bezahlt wurden.

Mehr Glück hatte Sotheby’s mit Fontana am 24./25. Mai in Mailand. Bei einem Schätzwert von 550.000 bis 750.000 Euro kletterte eines der seltenen "concetto spaciale" in Messing mit Graffiti auf 1.2 Millionen Euro. Der Umsatz der Auktion belief sich bei einem wertmäßigen Absatz von 70,3 Prozent auf 9,9 Millionen Euro. Damit lag Sotheby’s auch in diesem Halbjahr wieder - wenn auch nur knapp - vor Christie’s. Mit beachtlichem Abstand folgte Farsettiarte, wo die moderne und zeitgenössische Kunst circa 5 Millionen Euro einspielte. Der Höchstzuschlag von 736.150 Euro galt einem kleinen Gefäß-Stillleben in elegisch-sanften Grautönen von Giorgio Morandi.

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